Bilderaufruf: SAAB-Forumskalender 2018

2017

Wie jedes Jahr wird es auch 2018 wieder einen Forumskalender des weltbesten Saabforums geben, traditionell organisiert von Patrick „turbo_forever“ und auf echtem Photopapier ausbelichtet bei pixelfotoexpress. Dieser Kalender lebt vom Mitmachen – sowohl beim Erstellen und Einreichen wie auch bei der Auswahl der Bilder. Das genaue Prozedere entnehme der geneigte Leser folgendem Direktlink: KLICK.
Die Kurzfassung: es wird zwei Kalender geben; einen nach Publikumswahl und einen kuratierten. Je Kalender sind zwei eingesandte Bilder zulässig. Einsendungen in den Formaten JPG, TIFF oder PNG unter Angabe von Forumsaccount, optional zusätzlich Klarnamen, der jeweiligen Bildunterschrift, Baujahr und genauer Typbezeichnung des abgebildeten Autos an saabkalender2018 [ätt] gmx.de.
Bitte denkt auch daran, Patrick mitzuteilen ob ein ggf lesbares Kennzeichen im Original erhalten bleiben oder anonymisiert werden soll, und sorgt dafür, daß klar erkennbar ist welches Bild für welchen Kalender gemeint ist.
Bei den Bildern gilt: je größer, desto besser. Solltet Ihr ein Datenvolumen von 20MB überschreiten schickt die Bilder bitte nicht als Dateianhang, sondern über einen downloadlink.
Daß Ihr die Bildrechte besitzen müßte sollte nun wirklich selbstverständlich und keiner Erwähnung wert sein, muß aber leider dennoch gesagt werden…

Einsendeschluß ist der 30. September, einen halben Atemzug vor Mitternacht. Das ist nicht mehr viel Zeit – beeilt Euch!
Euer Lieblingsblog hatte in den vergangen Jahren schon mehrfach die Ehre, eine oder mehrere Kalenderseiten zu füllen. Ob ich dieses Jahr auch dazu beitragen kann steht noch in den Sternen, studien- und arbeitsbedingt mußte das Hobby leider oftmals hintenanstehen. Vielleicht finde ich aber noch wertvolles Archivmaterial im digitalen Keller, versprechen kann ich das aber nicht. Also müßt IHR jetzt liefern. Geht raus, nehmt die Kamera mit und photographiert! Oder grabt die Festplatte um, mir egal, Hauptsache die Bilder sind bis Ende des Monats da. 😉

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Der Traum vom Geländewagen

Der Autor dieser Zeilen ist offensichtlich männlich. Männer werden, wie jede Großmutter dieser Welt bestätigen wird, zwar kontinuierlich älter, jedoch nie erwachsen.
So überkommt auch den Herausgeber dieses Blogs gelegentlich der Drang, im Schlamm zu spielen. Mit dem Herumhüpfen in schlammigen Pfützen ist es ab Erreichen eines gewissen Lebensalters natürlich nicht getan. Im Unterschied zum Jungen braucht der Mann Spielzeug. Und zwar groß und laut und mit Motor. Folgerichtig ertappt sich der Verfasser dabei, gelegentlich im Netz nach Geländewagen zu stöbern. (Geländewagen, keine SUV!)

Recht weit vorne dabei ist aus nachvollziehbaren Gründen der 2121, vulgo Niva, der aber nicht mehr so heißen darf. Auch wenn der Niva nach Meinung seiner Konstrukteure kein echter Geländewagen sei, sondern „ein Pkw, der auf Straßen beliebiger Decke komfortabel hohe Geschwindigkeiten zu erreichen vermag“, und damit und mit seiner selbsttragenden Karosserie die Fahrzeugkategorie der SUV gewissermaßen erfunden hat, so ist er als automobiles Fossil charmant genug, daß man sich näher mit ihm beschäftigen sollte. Er ist auch im Serienzustand geländegängiger als alle Plastik-SUV, und als Bronto sieht er auch wirklich nett aus… Außerdem öffnet die Motorhaube nach vorne. (Jetzt wird dem geneigten Leser klar, warum ich nicht anders kann, als dieses Auto zu mögen).

Der nächste Kandidat wäre der Jeep XJ. Er ist – für ein amerikanisches Auto – recht kompakt, hat ein klares, durchaus ansprechendes Design und verbindet Geländegängigkeit (auch hier fehlen, wie beim Niva, im Serienzustand noch Sperren zum perfekten Glück) mit einem Mindestmaß an Komfort und menschenwürdiger Ausstattung. Die grüne Tachobeleuchtung erfreut das Saaabfahrerherz zusätzlich.

Und dann, dann ist da der G. Das G-Modell. Der Geländewagen, einst als Spielzeug für den Schah entwickelt, der dann in 63 Streitkräften militärische Karriere machte um in seinen absurdesten Travestien schließlich als Гелендваген Eingang in die russische Alltagssprache zu finden, und an den der Autor viele, meistens gute, Erinnerungen hat.
G. G-Modell, G-Klasse, Geländewagen, Legendewagen.

Vom Verfasser eigenhändig versenkt.

Im Januar 2014 hatte der Verfasser das Glück, anläßlich der Adventskalenderöffnung der Münchner Mercedes-Niederlassung einem Vortrag Gunther Holtorfs beiwohnen zu dürfen. Dieser Mann sollte dem reiseaffinen Publikum mittlerweile bekannt sein, falls nicht, so ginge ich nicht fehl, stellte ich ihn als den wahrscheinlich bedeutendsten Abenteuerreisenden unserer Zeit vor. Gunther Holtorf hat zusammen mit seiner Frau Christine in 26 Jahren nahezu alle Länder dieser Erde bereist und dabei mit seinem 300GD knapp 900.000km zurückgelegt. Zur Einstimmung seien dem Leser dieser wunderbare Artikel der BBC sowie  dieses schöne Stück im Spiegel empfohlen.

 

 

 

Gunter Holtorf kann nicht nur photographieren, er ist auch ein begnadeter Erzähler. Einen Videomitschnitt seines Vortrages in der Berliner Niederlassung findet Ihr hier; ein Interview mit Blicken auf Finanzierung und vor Allem mindset gibt es auf Matsch und Piste. In Zusammenarbeit mit dem Stern entstand das umfassende Projekt Ottos Reise.

Das Auto hat mittlerweile seinen Platz im Mercedes-Benz Museum gefunden. Vor gut einem Jahr hat die Nutzfahrzeug-Sparte Daimlers in Zusammenarbeit mit dem Unimog-Museum ein paar Influencer in ein paar Autos auf einer windigen Wiese im Schwarzwald übernachten lassen; Johannes Schlörb von fuenfkommasechs.de hatte die Ehre, „Otto“, jenen legendären chinablauen 300GD zu bewohnen – und brachte Herrn Holtorf dazu, noch ein bißchen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Was lange währt wird endlich gut, sagt der Volksmund – das gut einstündige Video dazu wurde am Wochenende endlich veröffentlicht, inklusive einer Menge Filmmaterial aus dem Konzernarchiv.

Damit haben Johannes, Gunther und Otto es geschafft, daß ich wieder nächtelang vor den einschlägigen Automobilbörsen hocke. Wo ich doch gerade beschlossen hatte, daß ein Auto ja eigentlich auch ausreichen müßte. Eines Tages…

Bilder des Münchner Vortrages: (c) René Rollin.

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Fuhrparkumbau: das Plüschtier geht.

Seit anderthalb Jahren war das Plüschtier sowohl in den einschlägigen Börsen wie auch bei classic trader inseriert. Zwei Messebesuche, Hockenheimring und Berlin, waren ebenfalls Teil der Vertriebsoffensive.
Im Juni ging es dann plötzlich schnell: ein paar emails, ein Telefonat, eine ausgedehnte Probefahrt, ein nettes Abendessen und am nächsten Tag wechselte der Wagen den Besitzer. Kurz deutete sich dabei ein ungeheurer Zufall an: eine Freundin des Käufers hatte in Belgien einen 900 GLE in genau dieser Farbkombination gehabt… aber die Namen in den Dokumenten stimmten dann doch nicht überein. Die Welt ist klein, aber so klein dann doch nicht.

Photo: René Rollin

Im Anschluß durfte der Neuerwerber Bekanntschaft mit der bekannt unfähigen Berliner Verwaltung machen: der nächstmögliche Termin zur Ummeldung war dreieinhalb Wochen später. Berlin als failed state. Im zivilisierten Rest Deutschlands geht man am nächsten Tag zum Amt und eine halbe Stunde später ist der Drops gelutscht. Aber dit is ebent Berlin, wa. 

Das Plüschtier läuft (jetzt auch offiziell) im Umfeld des lesenswerten DAMN Magazine. Architektur, Design, moderne Kunst… es gäbe keine passendere Umgebung für einen stilsicher gefärbten 900.

Schade ist nur, daß ich jetzt das Trendverhalten der Verschleißmetalle nicht mehr direkt beobachten kann. Aber von Charlottenburg nach Schöneberg ist es nicht weit, vielleicht hält der Kontakt über ein paar Ölwechsel hinaus.

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Ölfilter: Mahle OC 981

Diesmal nicht aus dem Schneewittchen, sondern dem Vectra (der mittlerweile die 200.000km hinter sich gelassen hat und sich auf ein neues Fahrwerk freut). Ölprobe wurde entnommen und befindet sich auf dem Weg ins Labor; über das Ergebnis wird im Anschluß an die in Bälde erscheinende Artikelreihe „Der Motorschadensimulant – Drama in drei Akten“ veröffentlicht werden.

Schauen wir uns das Filter einmal an, bevor wir es aufsägen:

 

Beim OC 981 handelt es sich um einen ganz schönen Klopper. Als Größenvergleich dient der ebenfalls für Saab-H-Motoren gedachte Hengst H90W12 (der in den externen Abmessungen einem Mann w712/80 sehr nahe kommt).

Nun zu den inneren Werten:

 

Auffallned ist die makellose Verarbeitungsqualität. Kein überschüssiger Klebstoff; auch nach 12.119km ist das Filtermedium nicht verformt. Im direkten Vergleich mit dem Filterelement des Mann w712/80 fallen drei Dinge auf: Zum einen der Größenunterschied, dann die geringere Anzahl der Falten, drittens das deutlich kleinere und aus einem anderen Material (Nitril?) gefertige Rücklaufsperrventil. Letzteres ist sehr dünn und trotz des Materials sehr flexibel, jedenfalls deutlich leichter biegbar als die Ventile von Champion C165 und GM 55560202.

Zum Abschluß die trockenen technischen Daten:
– Filter Mahle OC 981
– Öl: Shell Helix Ultra 0w-40
– Fahrzeug / Motor: Saab 9-5, B205E, Vialle LPi
– Ölwechselintervall: 12.119km

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Vertriebsprovision

… ist ein altmodisches Wort. Im heutigen Business-denglish spricht man davon, leads zu generieren. Das kann ich ziemlich gut. Es dürfte mittlerweile eine deutlich zweistellige Anzahl Saabs sein, zu deren Anschaffung durch eine recht ansehnliche Zahl „Neukunden“ ich mittel- oder unmittelbar beitragen konnte. (Das „neu“ in Neukunde zielt dabei auf den vorigen Fuhrpark ab, nicht auf das Fahrzeugalter – es handelt sich ausnahmslos um Menschen, die sonst nie auf die Idee gekommen wären, einen Saab zu kaufen.)

Der letzte Streich war Bengt. Bengt ist ein Opel Vectra Saab 902, mit dem die bessere Hälfte meines Luxemburger Saabfreundes L. ihre ersten Schritte Radumdrehungen als Autofahrerin machte. Im Zuge einer Fuhrparkkonsolidierung stand der Wagen zum Verkauf. Nahezu zeitgleich segnete das Steuergerät der Stuttgarter Alltagsschlonte eines Blogger-Kollegen das Zeitliche. Der Kontakt war schnell hergestellt, aber Marc zierte sich noch.
Kein Stern. Und ein Fronttriebler. Und, und, und…

Eine google-Bildersuche und der Verweis auf den Dauertest im blauen Forum überzeugten dann auch den hartnäckigsten Skeptiker. So machte sich Marc dann eines Abends auf den Weg ins gar nicht so weit, aber auf dem kürzesten Weg zwei Landesgrenzen entfernte Luxemburg.
Seitdem warte ich auf einen Artikel mit dem Titel „Wie ich einmal blind ein unbekanntes Auto von völlig fremden Menschen im Ausland kaufte und es ohne Papiere über zwei Landesgrenzen brachte“. Marc entschied sich aber dafür, die in ersten Gesprächen vernehmbare Anspannung nicht ganz so stark in den Artikel einfließen zu lassen. (Dabei ist grenzüberschreitender Autokauf – Europa sei Dank – heutzutage wirklich kein Problem mehr.)

Am Ende las sich der Artikel dann, etwas weniger reißerisch, so:
http://www.marc-heckert.de/new-kid-on-the-block/
Seitdem hat Bengt unter anderem einen Tempomaten und eine Gasanlage erhalten. Ich gehe anhand dieser Investitionen davon aus, daß der Käufer leidlich zufrieden ist.

Auch ein Blick auf die anderen Artikel Marcs Blogs sei dem geneigten Leser sehr empfohlen. Und ich bedauere zutiefst, daß Saab erstens insolvent ist und zweitens noch nie einem Blogger Prämien für generierte Leads gezahlt hat…

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Ohne Mängel? Wohl doch nicht! Was uns das Öl erzählt…

Vom Durchsicht, mängelfreiem TÜV und Ölwechsel hatte ich die Tage erst berichtet.
Auf den ersten und auch zweiten Blick stünde da jetzt ein wunderschönes Auto. Außergewöhnlich gute Karosseriesubstanz, charmante Patina, großartige Farbgebung und dazu noch wenig Kilometer. Der Traum eines jeden Käufers.

Blöd nur, daß der Kilometerstand mal so gar nichts über ein Auto aussagt. Denn der Vorvorbesitzerin ist es gelungen, dieses Auto binnen einer für einen Saab H-Motor lächerlich kurzen Wegstrecke vollkommen zu Grunde zu richten. Kurzstrecke und nachlässige Wartung. Der Tod eines jeden Motors. Lieber Leser, laß die Finger von Frauenautos. Die Biester kriegen alles kaputt. 😉

Rekapitulieren wir noch einmal den letzten Ölwechsel:

Nach nur 5000km (aber 13 Monaten) schon sichtbar verschmutztes Öl, eine komische schwarzbraune Haselnuß Flocke vor dem Ölfilter und stumpfes grauschwarzes Pulver, daß sich auf dem blanken Metall der Ölfiltergrundplatte niedergeschlagen hatte.

Mittlerweile habe ich das Ölfilter aufschneiden und photographieren können; auch das Ergebnis der Ölanalyse ist gerade eingetroffen.

Im Filtergehäuse Ölkohle und ein wenig Ölschlamm (ich hatte Schlimmeres befürchtet). Bei den Krümeln auf der Grundplatte handelt es sich leider nur zum Teil um die beim Öffnen des Filters unvermeidlichen Sägespäne. Das Rücklaufsperrventil ist zwar noch biegsam, aber schon recht steif und scheint während und nach der Winterruhe nicht mehr wirklich zuverlässig funktioniert zu haben – das war nach Kaltstarts deutlich hörbar. Seit dem Ölwechsel ist dahingehend jetzt wieder Ruhe.
Das Filterelement ist stärker verformt – ob das am viskoseren Öl lag oder am durch die Verschmutzung erhöhten Strömungswiderstand muß an dieser Stelle leider unbeantwortet bleiben. Zum Glück hatte ich die bisher obduzierten Filter als Referenz aufbewahrt. Wagen wir also die direkte Gegenüberstellung:


Ölglänzend ist natürlich kein fairer Vergleich möglich. Nach Kapillartrocknung (wie bei den anderen Filtern) aber ist es eindeutig, wieviel mehr Schmutz dieses Filter hat aufnehmen müssen, obwohl es nur grob die Hälfte der Kilometer des anderen Filters gefahren wurde.

Richtiggehend häßlich ist aber der Report des Labors.

Kalium ignorieren wir hier, das kommt vermutlich vom Bleiersatz. Der Rest aber spricht Bände.

Kalium ignorieren wir kurz (vermutlich Reste des bei jedem Tanken dazugegebenem Bleiersatzes). Erhöhte Verschleißmetalle hatte ich erwartet, sie schwarz auf weiß zu sehen ist aber dann doch nochmal besonders unangenehm.Für sich alleine ist diese einzelne Ölanalyse noch nicht besonders aussagekräftig (jedenfalls, wenn wir nicht nur den Zustand es Öles beurteilen, sondern auch Rückschlüsse auf den Motor ziehen wollen). Bei den gemessenen Metallen könnte es sich schlicht um Überbleibsel des Nockenwellen-, Zylinderkopf und Steuerkettenschadens handeln. Oder um Reste des davor entstandenen „normalen“ Verschleißes, der in die Ablagerungen eingebunden und jetzt wieder freigesetzt wurde. Es könnte aber auch sein, daß sich die Maschine gerade selber auffrißt. Eisen und Aluminium ließen sich aus dem behobenen Motorschaden erklären – die Nockenwelle läuft direkt im Leichtmetallzylinderkopf. Blei und Kupfer jedoch deuten auf Kurbelwellen- und/oder Pleuellager. Sollte es sich um aktuellen Verschleiß handeln, dann dürfte das 5w-50 mit seiner erhöhten HTHS-Viskosität jetzt etwas helfen.
Um herauszufinden, ob es sich bei dieser unschönen Ölanalyse um die Nachwehen des Vorschadens handelt oder ob sich dort ein weiterer Motorschaden ankündigt bleibt nur, bei den nächsten Ölwechseln weiter Ölproben zu nehmen um irgendwann einen Trend ablesen zu können. Sinken die Verschleißmetalle tendentiell ab, dann wird es sich überwiegend um freigesetzte Altlasten handeln, stagnieren sie oder steigen sie weiter an, dann gibt es wirklich ein Problem. (Man könnte auch prophylaktisch den Motor öffnen und nachsehen, aber das ist beim 900 bekanntlich etwas aufwendiger und scheitert an der überragenden Faulheit Aktivitätseffizienz des Verfassers.)
Für Alarmismus und Panik besteht kein Anlaß, wohl aber für etwas Vorsicht, verkürzte Ölwechselintervalle und ein wachsames Auge bzw. Ohr.

Als Schlußwort möchte ich wieder einmal (dem Verfasser ist bewußt, daß er sich bisweilen wie eine hängende Schallplatte anhören mag, jedoch: repetitio mater studiorum) darauf hinweisen, daß dem Kilometerstand beim Gebrauchtwagen oder Klassikerkauf KEINE übertriebene Bedeutung beigemessen werden darf. Stellen wir uns einmal vor, dieses Auto käme mit ungefähr 100.000km auf den Markt. Der Verkäufer stellt fest, daß das Öl ziemlich finster aussieht und macht noch schnell einen Ölwechsel, so daß es am Ölpeilstab schön goldig glänzt. Dann erzählt er einem potentiellen Käufer was von „Rentnerwagen, wohl von einer netten älteren Dame gefahren“ und schwärmt vom niedrigen Kilometerstand und dem unverbrauchten Fahrgefühl. Alle hätten ein gutes Gefühl – der Verkäufer hätte noch nicht einmal gelogen, und der Käufer freut sich, denn was soll bei dem lächerlichen Kilometerstand schon passieren. Dabei hat er gerade eine Zeitbombe erworben, die ihm auf den nächsten zehntausend Kilometern um die Ohren fliegen wird.
Das hat sich, als ich den Wagen erwarb, ausdrücklich NICHT so abgespielt (und auch, wer mir den Wagen irgendwann abkauft, wird schon im Vorfeld darauf hingeweisen, wo er die gesamte mir bekannte Geschichte des Autos nachlesen kann), aber alleine die Möglichkeit dieses gar nicht einmal unwahrscheinlichen Szenarios sollte auch den letzten Skeptiker davon überzeugen, daß der Kilometerstand alleine ziemlich nichtssagend ist. Das ist wie bei Menschen: wenn Ihr am Wochenende ausgeht, dann sucht Ihr Euch Eure Begleitungen doch auch nicht ausschließlich nach dem Geburtsdatum aus. Natürlich ist eine Zwanzigjährige im Durchschnitt knackiger als eine Vierzigjährige. Es gibt aber auch granatenscharfe Mitttvierzigerinnen und verbrauchte Unter-Dreißigjährige, bei denen noch nicht einmal das gnädigste Schummerlicht einer finsteren Spelunke den ungesunden Lebenswandel wegmogeln kann. (Leser mit von denen des Verfassers abweichenden Vorlieben ersetzen beim Visualisieren dieses Beispieles die betreffenden Personen durch solche mit dem für Sie passenden Chromosomensatz.) Und genauso ist das bei Autos: ich habe schon mehrfach Autos gesehen, die nach 400.000km noch wie Jahreswagen aussahen (und auch so fuhren), während andere nach noch nicht einmal 100.000km technisch wie optisch aufgebracht und reif zur Verwertung waren.

Schreibt’s Euch gefälligst hinter die Ohren: ein Auto kauft man ausschließlich nach Zustand! Als Indiz für ein „gutes“ Auto ist der prall gefüllte Leitzordner mit Wartungsnachsweisen deutlich ausagekräftiger als die Zahl, die mittig im Tacho steht. Solltet Ihr gelegentlich vor einem blendend hübschen Auto stehen und merken, wie ihr schwach werdet, denkt an das Plüschtier.

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Ohne Mängel! Oder doch nicht?

Tadellos sei das Plüschtier, schrieb neulich der Prüfingenieur. Ich hatte ja leichte Bedenken wegen der nach scharfer Fahrt gelegentlich schwitzenden ATF-Leitungen und der seit dem Tiefgaragenmalheur ersatzteilpaßformbedingt leicht undichten Abgasanlage, aber offenbar bin ich bei sowas deutlich pingeliger als ich es sein müßte.

Eine allgemeine Durchsicht gab es dann bei Pinkowski. Es blieb beim Durchsehen – das Öl wollte ich selber wechseln, und alle anderen Verschleißteile/-Flüssigkeiten kamen ja neulich erst neu. Das Kühlwasser war beim Kühlertausch gewechselt worden, die Bremsflüssigkeit erst letztes Jahr.
Das Öl war zwar auch erst 5000km alt, aber eben schon 13 Monate im Motor. Unabhängig vom Zeitablauf hätte ich so oder so das Intervall (gemessen an den km) verkürzt, denn das Plüschtier war bei den belgischen Vorvorbesitzerinnen arg vernachlässigt worden. Bei der Instandsetzung kamen nur Kopf und Kette runter; auf das Abnehmen der Ölwanne, was beim 900 bekanntlich dazu führt daß man Motor und Getriebe voneinander trennen muß, hatte HFT mit Rücksicht auf meine studentischen Finanzen verzichtet. In Block und Ölwanne schlummerte also noch einiges an Ablagerungen und Schlamm, die es mit verkürzten Intervallen auszuspülen galt gilt. Den ersten Ölwechsel nach der Instandsetzung hatte ich deshalb schon nach etwas über 1000km vorgenommen, in der Folge pendelten sich die Ölwechsel auf ein 5000km-Intervall ein. Gefühlt wurde das Öl dabei immer später schwarz (aber immer war es spätestens bei 5000km weitaus dunkler als ich es von Schneewittchen und Veronica nach 10.000km gewohnt war).

Mannol 10w-40 nach 5000km/13 Monaten.

Auch der Ölverbrauch ging deutlich zurück. Mußte ich teilweise zu Beginn schon mal einen Liter binnen eines Intervalls nachfüllen, so kam das Plüschtier im letzten Intervall ganz ohne Nachfüllen aus. Und während der Wagen bei der Überführungsfahrt noch mit dem Weserbergland so seine liebe Mühe hatte, so läuft das Plüschtier mittlerweile jede (!) Steigung auf A9 und A8 mühelos im Tempomat mit 120km/h (oder der jeweils zulässigen Höchstgeschwindigkeit… 😉 ) hoch. Die Kolbenringe sind mittlerweile also auch wieder frei. Eigentlich war ich also verhalten optimistisch.

Dann aber lag beim Abschrauben des alten Ölfilters plötzlich dieser Brocken oben auf dem Filter.

Die photographierte Seite ist rau und scheint die Textur einer Gußoberfläche angenommen zu haben, die andere glatt und glänzend. Das Ding ist semi-spröde, d.h. es läßt sich recht weit biegen, bevor es bricht. Also keine Ölkohle, sondern eher eine lackartige Ablagerung.
Man hört liest in Autoforen ja immer wieder Horrorgeschichten. Man möge ja kein synthtisches Öl in alte, eventuell vernachlässigte Motoren kippen – das löse die Ablagerungen, und dann wanderten lustige Brocken durch die Maschine und schlügen alles kaputt oder blockierten Ölleitungen. Unfug sei das, wird dann immer entgegnet, Öl löse solche Ablagerungen sanft auf und halte den den Dreck in Schwebe, keinesfalls würde irgendwelcher Dreck großflächig abgelöst.
Das ist offensichtlich beides Bullshit. Jedes leidlich moderne (sprich: Nachkriegs-) Motoröl hat Reinigungsadditive, die Dreck in Lösung bringen und in Schwebe halten sollen. In diesem Fall war es mit dem Mannol eines der günstigsten 10w-40, die man kaufen kann. Dessen Additivpaket war offenbar stark genug, das zu vollbringen, was der Stammtisch den synthetischen Ölen vorwirft. Und offensichtlich können sich manchmal eben doch flockenartige Ablagerungen lösen, auch wenn ich das vorher nicht geglaubt hätte.

Bei der Neubefüllung wurde nicht gegeizt. Hinein kamen Mobil1 5w-50 und ein Mann w712/80. Die Ölwahl war auf das teure 5w-50 „peak life“ gefallen, weil Automatik-900 durch das höhere Drehzahlniveau gerne mal deutlich erhöhte Öltemperaturen aufweisen – und weil ich gehofft hatte, so langsam jetzt endlich auf ein „normales“ Ölwechselintervall von 10.000km gehen zu können (vorausgesetzt, ich führe die binnen eines Jahres). Das werde ich jetzt wohl doch nicht tun.
Das Mann-Filter, weil dessen Rücklaufsperrventil das flexibelste von allen bisher von mir aufgeschnittenen Filtern war und ich da Gefühl hatte, daß das Champion-Filter über die lange Winterpause leer gelaufen war. Beim ersten Start zu Saisonbeginn hatte es gefühlt eine Ewigkeit gedauert, bis die Öldruckwarnleuchte erlosch. Das bestätigte sich dann auch beim tatsächlichen Ölwechsel. Das Ölfilter steht im 900 schräg vom Motor ab. Normalerweise gibt das immer eine üble Sauerei beim Abschrauben, diesmal lief der Filterwechsel fast ganz ohne Kleckern ab – im Champion stand deutlich weniger Öl als erwartet.

Ölprobe genommen, Filter aufbewahrt.

Das Filter habe ich zur weiteren Analyse aufbewahrt. Nachdem auf meinem Schreibtisch auch noch ein vorbezahltes Probengefäß herumlungerte entnahm ich beim Ölwechsel auch eine Ölprobe. Auf deren Ergebnisse bin ich gespannt, ich erwarte mir jedoch nur eine bedingte Aussagekraft. Interessant wäre zu wissen, wie „fertig“ das Öl selbst nach dem zeitlich langen, laufleistungsmäßig aber kurzen Intervall war. Bei den Verschleißmetallen erwarte ich erhöhte Werte – nicht unbedingt wegen des innerhalb des Intervalls stattgefundenen Verschleißes, sondern weil sich in den aufgelösten Ablagerungen ja auch der katastrophale Verschleiß bei den Vorbesitzerinnen niedergeschlagen haben dürfte. Was auch immer dabei herauskommt: Ich halte Euch auf dem laufenden.

Zum Abschluß gestatte mir der geneigte Leser noch ein kleines Nachtreten.
Dieses Auto zeigt mit diesem Erlebnis wieder einmal, daß der bei Autoverkäufern verbreitete Wahn, ein Auto müsse einen niedrigen Kilometerstand haben, man verzeihe mir die Ausdrucksweise, völlig für den Arsch ist.
Viel wichtiger als der Kilometerstand ist der tatsächliche Zustand. Der hängt nicht davon ab, wieviele Kilometer das Auto bis dato gefahren ist, sondern wie diese Kilometer zustandegekommen sind. Und da steht ein gepflegtes und gewartetes Langstreckenfahrzeug in den allermeisten Fällen deutlich besser da als eine Kurzstreckengurke mit Wartungsstau. Minderkilometrige Autos sind ok, wenn es sich um verhätschelte Zweit- und Drittwagen aus solventem Vorbesitz mit vernünftiger Wartungshistorie handelt. Alltagsfahrzeuge aus Damenhand, kurz: „Frauenautos“, meide man dagegen wie die Pest. Das sind nämlich bei niedrigen Kilometerständen in der Regel Kurzstreckengurken, und wenn die dann nicht nachweislich außergewöhnlich penibel instandgehalten wurden, dann war es das. Mit Wartungsmangel und ungünstigem Einsatzprofil bekommt man einen Motor auch auf kürzeste Distanz zugrundegerichtet.
Das Plüschtier habe ich also nicht wegen, sondern trotz seines niedrigen Kilometerstandes gekauft – weil der Rest einfach hübsch aussah, und weil man einen walnußbraunen Steilschnauzersedan mit rosarotem Plüsch nicht einfach vor die Hunde gehen lassen darf.

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