Video: Gothia Motor Magasin im SAAB Museum Trollhättan

Die Youtuber des Gothia Motor Magasin waren neulich in Trollhättan und zeigen uns die aktuelle Ausstellung – begleitet von einem der ehrenamtlichen SAAB-Veteranen, die das Museum unterstützen.

Die Ausstellung ändert regelmäßig ihr Gesicht; je nach Themenschwerpunkt rotieren die Fahrzeuge zwischen Ausstellungshalle und Depot, so daß auch Wiederholungsbesuche immer lohnen. Irgendetwas „Neues“ gibt es immer zu entdecken, auch für in der Wolle gefärbte Fans und Kenner der Marke.
Der letzter eigene Besuch des Verfassers liegt viel zu lange zurück – wie das Museum im Winter 2015/2016 aussah, kann der geneigte Leser in dieser Serie nachvollziehen. Der erste Beitrag findet sich hier.
Wer das Museum unterstützen möchte, das als wohl einziges Werksmuseum seit geraumer Zeit kein Werk mehr im Rücken hat, sei auf den Webshop des Museums sowie den Förderverein verwiesen.

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Schöne Aussichten

Das erste NightPanel, hier noch politisch inkorrekt.

Der geneigte Leser wird es nach dem gestrigen Beitrag vermutlich schon geahnt haben: es deuten sich Veränderungen im Fuhrpark an.

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Etikettenschwindel

Hier ist kein Scania mehr drin.

Das Haubenemblem aller SAAB-Fahrzeuge vor 2002 Jahre bildet nicht nur eine bis zum Beginn der 90er Jahre bestehende Konzerstruktur ab, es verweist auch auf die inneren Werte. Denn Per Gillbrands legendäre H-Motoren stammten alle aus dem Scania-Motorenwerk in Södertälje. Die V6 jedoch wurden in Rüsselsheim entwickelt und in Ellesmere Port gefertigt – bei B258 und B308 handelt es sich um die 54°-v6 aus Opel Vectra, Calibra und Omega.
Bei SAAB erwiesen sie sich als Kassengift. Warum sollte man auch einen Sechszylinder kaufen, wenn der aufgeladene Vierzylinder schneller und sparsamer ist? Genau das macht diese Autos aber heute interessant. Die noch verbleibenden Exemplare dürften zu den seltensten Fahrzeugen auf deutschen Straßen zählen. Vom fünftürigen 900 II beispielsweise waren dem Kraftfahrtbundesamt 2015 gerade einmal noch 29 Fahrzeuge bekannt.
Jetzt, im Jahre 2017, sind die Autos so selten, daß sie noch nicht einmal in der veröffentlichten Statistik zum Fahrzeugbestand genannt werden. Lediglich die Schlüsselnummer der V6-Cabrios wird aufgeführt – davon gab es zu Jahresbeginn noch 107. Um auch an Zahlen für Coupé und CC zu kommen habe ich deshalb heute eine Anfrage ans KBA gestellt, deren Ergebnis ich gespannt erwarte.

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Fahranfänger, Fahrsicherheitstraining, Kilometer, Kleinkram – und wieder einmal (häretisches) Motoröl

Wie neulich schon angedeutet überschritt der Wagen im November die 610Mm-Marke. Traditionsgemäß wurde das Filter seziert und eine Ölprobe genommen. Letztere dümpelte längere Zeit im Büro herum, bis der Verfasser endlich die Zeit fand, sie dem Kurier zu übergeben. Noch rechtzeitig vor dem Fest traf dann das Analyseergebnis von Oel-Check ein. Darauf war ich besonders gespannt – schließlich war ich, jedenfalls dem Tenor des Internets nach, vollkommen wahnsinnig geworden und hatte das größtmögliche Sakrileg begangen: ich hatte ein modernes GTL-basiertes low-SAPS Motoröl in einen 32 Jahre alten Motor geschüttet. Und dann noch als viel zu dünnes 0w-30! Das konnte ja gar nicht gutgehen, das mußte unweigerlich zur Katastrophe führen.

Zum Glück hat das niemand meinem Auto erzählt.

Shell Helix Ultra 0w-30 AV-L nach 9494km.
Von links nach rechts: Shell 0w-30 AV-L, zweimal Shell Helix Ultra 0w-40, aral Super Tronic 0w-40

Was fällt auf: die VI-Verbesserer haben offensichtlich etwas gelitten, der Viskositätsindex hat von 204 (!) auf 194 abgebaut. Naja, ein VI von 204 ist eh aberwitzig und wäre vor wenigen Jahren noch für vollkommen unmöglich gehalten worden. Den Lagern hat das „dünne“ Öl erwartungsgemäß auch nicht geschadet – Kupfer und Blei sind unverändert und entsprechen dem gewohnten Bild. (Überraschend ist das nicht: die VI-Verbesserer der Mehrbereichsöle der frühen 80er Jahre waren nach heutigen Maßsstäben grottenschlecht, oft genug hatten 10w-40 HTHS-Werte von nur 3,1. Das Shell HU AV-L muß als ACEA C3 mindestes 3,5 haben.)
Allenfalls etwas mehr Eisen und die Spuren von Chrom und Nickel könnten auf Verschleiß am Ventiltrieb; Eisen und Aluminium auf Kolben und Zylinder hindeuten. Hier schlägt sich das AV-L aber auch nicht schlechter als das (für eine 40er-Heißviskosität sehr dünn geratene) Aral Super Tronic.
Ob der minimal erhöhte Verschleiß nun her Viskosität oder dem reduzierten ZDDP der beiden Low-SAPS Öle geschuldet ist läßt sich natürlich nicht beantworten. Oder ob es am veränderten Nutzungsprofil lag: diesmal gab es ein paar Kurzstrecken mehr – und eine Fahranfängerin ohne mechanische Sympathie.
Es ist ja noch nicht einmal klar, ob es diesen erhöhten Verschleiß überhaupt gibt. Schließlich gibt es bei jeder Messung Ungenauigkeiten. Und auch ohne den erwartbaren Meßfehler genau zu kennen braucht es kein vertieftes Statistikstudium, um zu erkennen, daß die Aussagekraft einer Stichprobe mit n=5 naturgemäß recht beschränkt ist. Die Vermutung, daß sowohl das Shell 0w-30 AV-L als auch das Aral Super Tronic 0w-40 einen minimal erhöhten Verschleiß zuließen ist daher auch eher ein Bauchgefühl denn eine valide Aussage.

Was lernen wir jetzt daraus?
1.) Wichtig ist, daß genug und nicht allzu altes Öl drin ist.
2.) Welches Öl genau drin ist scheint nur von nachrangiger Bedeutung zu sein.
3.) Um irgendeine belastbare Aussage zu treffen, welches nun besser ist, braucht es mehr Daten.
4.) Nein, mit modernem Öl macht man alte Motoren nicht zwangsläufig kaputt.

Abgesehen davon hatte das Auto sich in der Zwischenzeit den hinteren linken Bremssattel verrenkt und brauchte in der Folge neben manueller Therapie auch einen Satz neue Scheiben und Beläge (Bremsen macht man immer achsweise!). Was bei 614.000km halt eben so anfällt…
Der Sattel konnte wieder gängig gemacht werden und ist seitdem unauffällig, ich stelle mich aber darauf ein, daß ich irgendwann in den nächsten Monaten da noch einmal ran muß.
Nataschas erstes Fahrsicherheitstraining meisterten Auto und Fahranfängerin damit jedenfalls bravourös:

fahrsicherheitstraining_2017_12_17

Zwar handelte es sich nur um ein „kleines“ Halbtagestraining, das ausschließlich auf Fahranfänger zugeschnitten war, aber sie hat offensichtlich Blut geleckt. Weitere,  anspruchsvollere Trainings werden sicher folgen.

Frohe Weihnachten Euch allen und Friede auf Erden (und in den Ölthreads der Autoforen) wünscht
– der Verfasser.

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SAAB-Kalender 2018

Vor kurzem hatte ich meine lieben Leser zur Teilnahme aufgefordert, nun sind die Kalender des weltbesten Saabforums fertig.

Zur Auswahl stehen der traditionelle Forenkalender nach Publikumsvoting und ein vom künstlerischen Leiter des Projekts kuratierter Schwarz-Weiß-Kalender.

Mit Bilderauswahl durch Publikumsvoting: der Farbkalender

Schwarzweißkalender durch den künstlerischen Leiter kuratiert.

Wie bei Pixelfoto-Express üblich sind beide hochwertig auf feinstem Photopapier ausbelichtet.
Wichtigste Neuerung zum letzten Jahr ist das geänderte Kalendarium, das nun Raum für Notizen bietet. Das gewohnte Gimmick sind heuer die Karten eines Memoryspiels.

Neben den Kalendern gibt es auch eine Auswahl an Keramiktassen mit Kalendermotiven und erstmalig auch eine Glastasse:

Um der außergewöhnlich tiefen emotionalen Bindung des Saabfahrers an sein Auto gerecht werden zu können gibt es natürlich noch weitere Idee zur Fremd- oder Selbstbeschenkung:

limitierter Kunstdruck zum 40-jährigen Jubiläum des 99 turbo.

Ein auf 99 Exemplare limitierter Kunstdruck anläßlich des 40-jährigen Jubiläums des 99.

Wer Saab mit ins Bett nehmen möchte…

Ein Kissen für alle, die ohne (ihren) Saab nicht schlafen können.

Zwei Sturmfeuerzeuge.

Was dem Nordamerikaner der bumper sticker ist dem Mitteleuropäer der Kennzeichenhalter

Kennzeichenhalter.

Plüsch!

Nachdem des Verfassers Plüschtier diesen Sommer verkauft und somit dem Markt entzogen wurde bietet sich dem treuen Fan nun zumindest Ersatz in Elchform.

Daß es sich bei diesem Beitrag nicht nur um (leider unbezahlte) Werbung, sondern auch um eine unbedingte Kaufempfehlung und -aufforderung handelt benötigt wohl keiner weiteren Erklärung, jedoch zur Verdringlichung unter Umständen einer Wiederholung: Liebe Leser, kauft!
Genauso wird empfohlen, die unumgängliche Bestellung nicht allzu weit hinauszuzögern – man bedenke die erfarungsgemäß im Weihnachtsgeschäft etwas längeren Bearbeitungs- und wesentlich längeren Postlaufzeiten.

Bestellen: https://www.pixelfoto-express.de/saab-shop

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Ölfiltersektion: Purflux LS 245

Neulich überschritt Schneewittchen die 610.000km-Marke. Ab auf die Bühne; einmal drunterschauen, Öl- und Filterwechsel. Fahrwerksgummis und Bremsbeläge haben noch Fleisch; aber nach dem Winter wird man am Vorderwagen wohl weiterschweißen müssen. Naja, rolling resturation heißt also anscheinend, wenn man hinten fertig ist fängt man vorne wieder an…

 

Hier die vorher-nachher-Bilder des Ölwechsels. So wirklich fertig sah das AV-L nach 9494km jetzt noch nicht aus; aber neu ist es wirklich nahezu farblos. Ich bin sehr gespannt auf die Analyse.

Kommen wir aber jetzt zum titelgebenden Element: dem Ölfilter.

 

Drin war ein Purflux LS 245. Purflux ist bekannt für die besondere Zickzackfaltung, die es erlaubt, mehr Filtermedium unterzubringen. Ceteris paribus bedeutet eine größere Filteroberfläche einen geringeren Durchströmwiderstand und damit selteneres und geringeres Öffnen des Überdruckregelventils der Ölpumpe; bei gleichem Widerstand des Filterelements könnte man ein feineres Medium verwenden. Kurz: Purflux hätte das Potential, mit dieeem Filter etwas richtig tolles auf die Beine zu stellen.

Noch vor dem Öffnen des Filters gab es hier aber schon die erste Enttäuschung: sowohl auf der Grundplatte mit den Einlaßöffnungen, als auch im Innenrohr (also auf der „sauberen“ Seite) fand sich grauer Staub, ähnlich dem Abrieb, den ich beim Champion C165 des Plüschtiers als Abstrich aufnehmen konnte. Bevor ich darob in Panik verfiel erinnerte ich mich daran, daß ich alle bis jetzt aufgesägten Filter aufbewahrt hatte: ähnliche Ablagerungen fanden sich bei auch beim Champion C165 und dem GM-Originalfilter, die mit 0w-40 im selben Motor genutzt wurden. Dagegen waren Mann w712/80 aus dem selben Auto und Mahle OC 981 aus dem 9-5 ohne Befund.

Nach dem Öffnen des Filtergehäuses dann folgendes Bild:

Purflux LS 246, 9494km

Wo bitte ist denn hier das Rücklaufsperrventil?

 

Im Detail wirkt die Verarbeitung etwas lieblos, vor Allem verglichen mit Mann oder Mahle – die Öffnungen sind unsauberer gefertigt und nicht so fein entgratet, hinzu kommen Klebstoffreste. Am meisten verwundert mich aber das Fehlen eines Rücklaufsperrventils. Ich habe lange überlegt, welche Funktion der Ring im Oberteil des Filterementes haben mag; woanders im weiten Internet hatte gesehen, daß das Ding federbelastet sein und das Gummi des Rücklaufsperrventils gegen die Grundplatte pressen soll. Nur: bei meinem Filter bewegt sich nichts.
Verbaut(e) Purflux beim LS245 kein Rücklaufsperrventil? (Der LS 245 ist seit Mai durch den LS 188B ersetzt worden.) Oder handelte es sich bei meinem Exemplar um einen Fertigungsfehler? Oder übersehe ich etwas? Für Hinweise wäre ich dankbar.

Zum Abschluß noch einmal das Filterlement im Vergleich zu Mann und Mahle:

 

Fazit:
Auch wenn es ein furchtbares Klischee sein mag – hier drängt sich ein ähnlicher Eindruck auf wie bei französischen Automobilen: großartige Idee, leicht schlamperte Umsetzung.

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Der schwedische Simulant. Erster Akt: die Vorahnung oder das Kindersanatorium der jugoslawischen Volksarmee

Seit einem mehrmonatigem beruflichem Aufenthalt in geraumer Vorzeit hat der Verfasser Eures Lieblingsblogs profunde Sympathien für den Westbalkan entwickelt. Daß seine Angetraute – wie anscheinend alle Frauen – Urlaub mit warmem Meer zu assozieren scheint und auch die Schwiegereltern froh sind, gelegentlich den nordrussischen Sümpfen entfliehen zu können, hat sich die Adria als familiengemeinsames Urlaubsziel etabliert. Die Einen planschen, der Andere spürt den architektonischen Spuren der sozialistischen* Moderne nach. So auch letzten Herbst. Vor die Ankunft jedoch haben die automobilen Götter die Reise gestellt, und davor die Abfahrt. Diese jedoch wäre schon fast ins Wasser gefallen.
Doch beginnen wir von vorne: Die älteren Herrschaften sicher in MUC gelandet und von der Tochter mit der S-Bahn nach Hause gebracht, der Schwiegersohn noch an der Universität. Spätnachmittags fährt er los, die Fahrt verläuft auch weitgehend ereignisarm (die autobahnüblichen Mittelspurschleiche, Ohne-Schulterblick-und-nichtblinkend-Spurwechsler und die Mit-vierzig-km/h-auf-die-Autobahnauffahrer-und-dann-ganz-nach-links-Zieher sind dank des auf 700.000km Fahrpraxis geschärften siebten Sinnes zum Glück meist nur noch Ärgernis und selten echte Gefahr). Fünf Kilometer vor der heimischen Haustür wird noch einmal vollgetankt – es soll ja am nächsten Morgen direkt nach Frühstück losgehen. Zu jedem Tankvorgang hat sich der Verfasser angewöhnt, unter die Haube zu schauen und einmal mit dem Luftdruckprüfer ums Auto zu laufen. Jeder Kraftfahrer kennt es: TD vor, während und nach der Benutzung.
Motoröl: da.
Getriebeöl: auch.
Wischauffasser auffüllen: gluck.
Kühlwasser: Moment mal.
Tatsächlich: da fehlt was. Der Ausgleichsbehälter ist fast leer.

Leichtes Unwohlsein macht sich breit. Dinge gehen immer dann kaputt, wenn man es gerade am wenigsten gebrauchen kann. Morgen früh stehen eine vollbeladene Alpen- und Karawankenquerung an, und die darauf folgende Tagesetappe an der Küste entlang wird auch den ein oder anderen längeren Anstieg beinhalten. Ein Kopfdichtungsschaden ist das Letzte, was man in dieser Situation gebrauchen kann. Nicht nur weil das am Vorabend einer Reise so furchtbar unpraktisch ist – sondern auch, weil man sich damit (sprich: mit dem Kaufen leicht abgeranzter Gebrauchtwagen zu Spottpreisen) vor dem stets neuwagenfahrenden Schwiegervater fürchterlich zu blamieren droht.
Darüber kann ich mir später aber noch Gedanken machen: zunächst brauche ich Kühlflüssigkeit. Wasser habe ich im Kofferraum, das ist schnell nachgefüllt. Es ist wirklich nur der Inhalt des Ausgleichsbehälters, der unterwegs verlustig gegangen ist. Durchatmen. Das Öl sieht auch gut aus, keinerlei Zeichen einer Emulsion. Vielleicht doch nur eine externe Undichtigkeit, ein alter Schlauch vielleicht, ein siffender Kühler oder nur der Ausgleichsbehälterdeckel? Hoffnung kommt auf, und der Entschluß: wir wagen es. Was soll mit der goldenen ADAC-Karte im Reisegepäck auch schlimmes passieren außer etwas Zeitverlust?
Zu große Risiken sind aber Sache des Verfassers nicht. Natürlich nehme ich Kühlflüssigkeit mit – sollte der Wagen weiter Flüssigkeit verlieren möchte ich etwas zum Nachfüllen dabei haben, um ans Ziel humpeln zu können (und da Kühlmittel nicht nur dem Frost- sondern auch dem Korrosionsschutz dient mag ich dann nicht mit purem Wasser fahren). Die Tankstelle ist gut sortiert und (für eine Tankstelle) preislich recht human. Dennoch stellt mich die Wahl des Kühlmittels vor leichte Probleme. Im Handbuch steht: „nur von SAAB freigegebene Kühlflüssigkeit verwenden“. Na toll. G48 wird es nicht sein, da nicht blaugrün. G12, G40, G30? Auf keinem Label taucht Saab auf. Na gut, Mut zur Lücke, nehmen wir G12. Ab nach Hause, Augen zu, Kaffee, Frühstück, Abfahrt.

Auch diese Fahrt verläuft ereignislos. Bei jeder Rast fliegt die Haube auf – der Kühlmittelstand bleibt unverändert. An der Schengengrenze zwischen Slowenien und Kroatien staut es sich etwas, kurz darauf sind wir in Opatija. Es ist furchtbar schwül, der leichte abendliche Seewind bleibt aus. Bevor ich mich vor der romantischen Uferpromenade im Meer abkühle prüfe ich erneut alle Flüssigkeiten: alles unverändert.

Der nächste Tag führt uns in gleißender Hitze die Küstenautobahn entlang nach Süden. Dann ein paar schöne Serpentinen, und schon sind wir in Brela. (Die Bilder bitte ich zu entschuldigen; ich hatte keine Kamera dabei, nur das Telephon.)

Während Natascha mit der Vermieterin spricht fällt mir der Einser Golf auf, den der Sohn der Vermieterin wohl verhätschelt. Tatsächlich findet man eine Menge alter Autos im Straßenbild – manche als Alltagsgurken, die nur dank der klimatischen Salzarmut noch leben, andere scheinen ganz bewußt erhalten zu werden, was mir natürlich sehr sympathisch ist.
Dann sehe ich den 9-5 durch: schon wieder fehlt nichts. Weder Öl noch Wasser. War ja klar, was zuhause im Regal liegt geht nie kaputt und was man an Bord hat braucht man nie. Trotzdem wird mich ab jetzt eine leichte Nervosität immer begleiten. Die nächsten Tage jedoch sind wir vor Allem zu Fuß unterwegs.

Fußläufig zwischen Brela und Makarska liegt Krvavica mit seiner Marina und einem Campingplatz. Zwischen den Baracken des Campingplatzes, die den Betrachter an ein Pionierlager erinnern, schwebt ein UFO.

Das UFO ist ein Sanatorium für lungenkranke Kinder von Angehörigen der jugoslawischen Streitkräfte. 1961 entwarf Rikard Marasovic diesen Ring auf Stelzen; von seiner Fertigstellung 1964 bis zum Ende der 80er Jahre wurde das Gebäude in dieser Funktion genutzt. In den Kriegen der 90er Jahre war es Flüchtlingsunterkunft, danach blieb es ungenutzt und verfällt seitdem. Als herausragendes Beispiel des „kritischen Regionalimus“ ist ihm ein wirkungsvolles denkmalpflegerisches Engagement zu wünschen; die Aussichten sind jedoch leider nicht die Besten.
Zu den Hintergründen und für weitere Photos empfehle ich Balkanist.net und kukumag.com.

Makarska selbst braucht man sich dagegen nicht geben – es sei denn, man steht auf Sauf- Partytourismus balearischer Prägung.

Auf der Rückreise nehmen wir noch Split mit, dessen mittelalterliche Altstadt in den Diokletianspalast hineingebaut wurde.

Das Über-, Unter- und Nebeneinander von antherthalbtausend Jahren würde sicherlich einen längeren Studienaufenthalt rechtfertigen; hier konnte ich mich jedoch leider nicht gegen die touristische Mehrheit der Fahrzeugbesatzung durchsetzen.

Erneut übernachten wir in Opatija; diesmal hegen und pflegen unsere Vermieter einen roten R4.
Am nächsten Abend in München angekommen sind alle Flüssigkeitsstände noch immer unverändert. Dennoch werde ich dieses blöde Gefühl auf den nächsten fünfunddreißigtausend Kilometern nicht mehr los werden.

* auch wenn den Betrachter angesichts der hedonistischen Ikonogrophie des ein oder anderen Musikvideos durchaus Zweifel an der ideologischen Ausrichtung der sozialistischen föderativen Republik überkommen mögen…

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