Zur Kausalität von Getriebeschäden und Platzmangel

Zu Monatsbeginn vernahm mein Ohr – berufsbedingt gedämpft – ein recht unangenehmes Geräusch: ein fieses Schaben, Dröhnen und Jaulen. Ich war im Berliner Stadtverkehr unterwegs (was ich normalerweise zu vermeiden suche) und zuckelte im ersten Gang dem Ampelstau hinterher. Da wurde ich zum ersten Mal leicht mißtrauisch. Aber das Geräusch kam nur einmal als ich im ersten Gang vom Gas gegangen war, und seither war Ruhe. In jedem der anderen Gänge war das Getriebe still. Kein Schaben, kein Jaulen, nichts. Es läßt sich etwas hakelig Schalten, aber das war schon immer so – schließlich hat Saab dieses Wort zur Beschreibung ihrer Getriebe eigens erfunden.

Nachdem ich dann nach – ereignisloser- Fahrt in den Süden das Geräusch im Münchner Stadtverkehr erneut vernahm erkannte ich Klärungsbedarf. Aus diesem wurde nach kurzer und kurzfristig vereinbarter Probefahrt durch Doctor-D ganz schnell Handlungsbedarf.
Mindestens das Hauptlager habe es hinter sich. Denn dann bekäme die Getriebewelle Axialspiel und die Zahnräder könnten aneinander, an den Schaltgabeln oder an was auch sonst so im Weg herumstände schaben. Im ersten Gang sei durch die Übersetzung die aus der Schrägverzahnung resultierende Kraft in Axialrichtung besonders groß, deshalb höre man das Geräusch vorerst nur im ersten Gang bei Schiebebetrieb. (Der geneigte Leser verzeihe mir Ungenauigkeiten in der Wiedergabe, weder bin ich Mechaniker noch Ingenieur und das 900er-Getriebe kenne ich auch nur vom hereingucken.) Ich solle dat Schneewittchen bis zur Reparatur möglichst wenig, am Besten gar nicht bewegen und mich um Ersatzgetriebe kümmern, denn er habe nur noch „neue“ Getriebe.
(Die Ersatzteilversorgung für die „alten“ Getriebe, also vor der Umstellung der Schaltlagenzentrierung und mit dem langen Differential ist prekär, so daß man um das kannibalisieren brauchbarer Gebrauchtteile nicht umhin kommt.) Binnen weniger Tage waren über das wohl weltbeste Saabforum ein 45608 und ein 45705 aufgetrieben. Ein 45608 ist auch original verbaut, das 45705 würde theorethisch auch passen. Allerings wies hft auf zwei Einschränkungen hin: zum ersten fehlten mir, um das 7er Primär zu fahren ungefähr 100 PS. Das Auto sei mit der langen Übersetzung überfordert und hoffnungslos untermotorisiert. Wichtiger aber sei, daß das *08 gegenüber dem *05 am Primärgehäuse verstärkt sei. Nachdem sich schnell herausstellte, daß sich schon jemand anders des beliebten 7er-Primars bemächtigt hatte waren wir zumindest das Problem der unzureichenden Motorleistung los…

Unverschämt: weißes Auto mit Getriebeschaden bei lächerlichen 534.000km, silberes Auto fahrbar, aber häßlich.

Unverschämt: weißes Auto mit Getriebeschaden bei lächerlichen 534.000km, silbernes Auto fahrbar, aber häßlich.

Pünktlich zu Saisonbeginn wurde die schwedische Interpretation des Fiat Chroma wiederbelebt (was außer einer neuen Batterie zum Glück nichts erforderte) um die Getriebe einzusammeln und nach München zu schaffen. Und mitten in der thüringischen Provinz schloß sich dann der Bogen zum Titel des heutigen Beitrages.
„Sag mal, Du bist ja mit dem 9000 CC hier – ich glaube, ich habe vor zehn Jahren mal so einen geschlachtet. Komm mal mit…“
Über den Sommer darf ich jetzt also eine Motorhaube, eine Heckklappe, vier Türen, Stoßstangen, Front- und Heckschürzen, Scheinwerfer, Blinker, Rückleuchten etc abholen. Ein 9000-turbo-Getriebe mit dranhängendem Motorblock ist auch noch dabei.
Die Erfahrung lehrt uns, daß immer nur genau das kaputt geht, was nicht als Ersatzteil in der Garage liegt oder was kurzfristig nicht zu beschaffen ist. Raum für Überraschungen bleibt also weiterhin Aber immerhin dürften so fremd- oder selbstverschuldete Auffahr- und Seitenunfälle sowie Wildschäden am 9000 für die nächste Zeit weitgehend ausgeschlossen sein: Karosserieteile sind ja jetzt reichlich vorhanden.

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Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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4 Antworten zu Zur Kausalität von Getriebeschäden und Platzmangel

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