Der Fiat fährt wieder!

Es hat nur fast zwei Monate gedauert, alle Ersatzteile heranzubekommen. (Die Kupplungsleitung ist eine Auftragsarbeit – Originale sind für Fahrzeuge vor Modelljahr 90 nicht mehr zu bekommen. Nirgends.)

Kein Fiat Chroma, sieht nur so aus.

Kein Fiat Chroma, sieht nur so aus.

Was war passiert? Das Pedal blieb unten und der Wagen liegen. Nach einem kurzen, erfolglosen Aufenthalt bei der den Abschleppwagen betreuenden Berliner Garage, die sich außerstande sahen Ersatzteile herbeizuschaffen erbarmte sich der ADAC und brachte den Wagen dann doch endlich in den Münchner Süden. Schwedenteile.de schaffte es relativ schnell, einen der wenigen verbleibenden Kupplungsgeberzylinder (auch der ist bei Modeljahren vor 1990 anders…) in Schweden aufzutreiben und binnen 48 Werkstatt und Ersatzteil zusammenzubringen. (Hier sei mir der Hinweis gestattet, daß die Firma Schwedenteile Zugriff auf das gesamte Ersatzteilprogramm der Orio AB – vormals Saab Parts – hat und damit jedes Teil, was irgendwo in irgendeinem Lager vor sich hinlagert in der Regel binnen 48 Stunden nach Deutschland zum Kunden schaffen kann. Der Webshop deckt also nur einen kleinen Ausschnitt der lieferbaren Teile ab. Wird man dort nicht fündig empfiehlt sich eine mail oder der Griff zum Telephon.)

Und dann zerlegte sich die Kupplungsleitung, weshalb ich anstatt gemütlich mit einem 9000 dem Hauptwrack entgegenzugleiten mich eines Dienstagabends um einen Mietwagen bemühen mußte. (Es wurde ein Opel. Verriß folgt. Vorab nur soviel: Sarrazin hatte recht.) Kupplungsleitungen gibt es natürlich für dieses Modelljahr keine mehr. Also wurde eine Nachfertigung (stahlflex) beauftragt. Bis so eine Kleinstserie dazwischengeschoben wird kann es dauern. Es hieß also warten. Immerhin weiß ich seitdem, daß Smarts zwar klein und niedlich sind und eigentlich im Stadtverkehr völlig ausreichend wären (die S-Bahn fuhr mal wieder nicht – führe sie wäre jedes Auto dem ÖPNV in der Großstadt unterlegen), ich weiß aber nicht, wie dieses Hoppelfahrwerk in Verbindung mit der völlig unberechenbar schaltenden Ruckomatik jemals zur Produktion freigegeben werden konnten. Da muß bei Daimler doch jemand furchtbar gepennt haben… Es bleibt zu hoffen, daß die Auto-zum-mitnehmen-Flotte (erwähnte ich, daß ich Anglizimen hasse, insbesondere wenn sie im angelsächsichen Sprachraum unverständlich wären?) baldmöglichst mit dem Nachfolger ausgerüstet wird (der dann hoffentlich bedienbarer geraten sein wird). Aber wir schweifen ab. Beenden wir den Exkurs über urbane Mobilität und kehren zum Thema zurück. (Achtung Wortwitz.)

Dieses Wochenende also war das größere der tipo-quattro-Geschwister endlich wieder fahrfähig. Zusätzlich zur Kupplungshydraulik bekam auch die Vorderachse etwas Aufmerksamkeit – Traggelenke und Spurstangenköpfe wurden ersetzt. (Die Teile hatten gerade mal 302.000km gehalten). Auf der Rückfahrt erfreute ich mich dann an komfortablen, langstreckentauglichen Ledersesseln (in aktuellen Fahrzeugen anderer Hersteller eine absolute Seltenheit), klaren und gut ablesbaren, nicht aufdringlichen Instrumenten, einer vorzüglichen Erggonomie, bei der alles blind bedienbar ist (damit scheinen die Massenmarken unabhängig davon ob sie einen „Premiumanspruch“ postulieren heutzutage überfordert) und der deutlich direkteren Lenkung sowie dem stark beruhigten Vorderwagen.

Die Kurzfassung: vier Personen (zwei davon wohlgenährt) mit reichlich Gepäck, ein kurzer Stau, zwei Kaffeepausen, 617 km und knapp über sechs Stunden. Im Display standen 7,8 Liter und ein Schnitt von 91km/h (da und in den 617km sind noch ein paar Meter Münchner Stadtverkehr mit drin). Zur Belohnung gab es Muschelsuppe – nach 47,5 Litern war der Tank randvoll. Macht 7,7Liter/100km. Ich wiederhole meine schon mehrmals gestellte Frage: was bitte haben die Fahrzeughersteller in den letzten 20 Jahren eigentlich gemacht?
Den Fahrer belohnte ein britisch-niederländischer Mineralölkonzern für seine Brennstoffwahl mit einem dänischen Spielzeug. (Chapeau! an die Marketingmannschaft: 2014 auf dem deutschen Markt die übriggebliebenen Reste der phillipinischen 2012er-Werbekampagne aufzubrauchen ist sehr effizient.)

Wie pflegte meine verstorbene Großmutter väterlicherseits (wie alle Großmütter eine sehr weise Frau) zu sagen: Männer werden nicht erwachsen, nur größer und älter. Auf meine Großmutter können Shell und Lego sich verlassen. 😉


Disclaimer:

Mit dem Inhaber der lobend erwähnten Firma Schwedenteile ist der Verfasser persönlich bekannt. Außerdem hält der Verfasser u.A. Anteile an Royal Dutch Shell (ISIN GB00B03MLX29) und Daimler (WKN 710000).

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Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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2 Antworten zu Der Fiat fährt wieder!

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