Doppelt hält besser

Manchmal allerdings sind Doppelungen einfach nur nervig. Tautologische Autopannen mag eigentlich niemand. Ich auch nicht. Aber der Reihe nach:

Gestern wollte ich den 9000 turbo aus dem Winterschlaf holen. Es bot sich an, dessen Hallenplatz dann mit dem Plüschtier zu belegen – so könnte ich mich in der Garage des Plüschtiers um das Stealthboot kümmern, daß zu seiner Überführung noch einiger Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verkehrstauglichkeit bedarf. (Neben einigen nicht rostbedingten Karosserieproblemen leidet der Wagen auch an twingoinduziert lädierten Fahrtrichtungsanzeigern.) Außerdem würde ich das Plüschtier erst am zweiten Maiwochenende wieder brauchen.

Die Überführungsfahrt von der konspirativen Tiefgarage zur konspirativen Halle im Märkischen endete jedoch bereits auf dem Saatwinkler Damm. Dort stand ich einige Zeit im Stau. Plötzlich sackte die Drehzahl bis auf 550/min ab und erholte sich auch nach legen des Wählhebels auf „N“ nicht wieder, aufs Gasstöße reagierte der Wagen kaum und wenn, dann verzögert. Schließlich stotterte der Motor und ging aus. Bei Anlasserbetätigung erlosch die Instrumenbeleuchtung, sonst aber passierte nichts… Gemeinerweise war auch die Ladekontrolleuchte während der Fahrt nicht angegangen.
Flugs die Verkehrsbehinderung von der Fahrbahn auf den Trottoir gewuchtet (zum Glück ist so ein 900 recht zierlich und leicht – eine S-Klasse zu schieben macht nicht halb so viel Spaß…) und fernmündlich um Hilfe gerufen.

Mistkarre, elendige!

Mistkarre, elendige!

Der herbeigerufene ADAC war nach gut einer Stunde vor Ort und unter reger Anteilnahme in den sozialen Medien wurde recht schnell festgestellt, daß die Lichtmaschine nicht mehr lade. Ein probeweiser Ausbau des Lichtmaschinenreglers um nach den Kohlen zu sehen scheiterte an einundreißig Jahre lang nicht geöffneten Schrauben.
Plan B: Vor Ort etwas Strom in die Batterie pumpen und dann generatorlos zur nächsten Werkstatt humpeln, von dort dann mit der Bahn und anschließendem Fußmarsch zur Halle (mit dem angebotenen Ersatzwagen des ADAC hätte ich wenig anfangen können, da ich ihn im brandenburgischen Nirgendwo nirgends hätte abgeben können.) Der Pannendienst gab mir Geleitschutz für den Fall, daß der Strom nicht reiche, aber dem Plüschtier gelang es, sich aus eigener Kraft in den Ritterlandweg zu schleppen.
Meister Pinkowski gab sich zunächst pessimistisch, er sei schließlich auf Jahre ausgebucht, hätte deshalb auch eigentlich gar keine Zeit und ob das Problem mit dem Tausch des Lichtmaschinenreglers gelöst sei sei ja auch keine ausgemachte Sache, es könne genauso die Lichtmaschine sein… bevor er mich aber vom Hof jagte, wollte er noch einmal nachschauen. Drei Sekunden später kam ein triumphierendes „Das kann ja gar nicht funktionieren! Sag ich ja, am Regler liegt es nicht…“ und er hatte ein am Kabelschuh losgefaultes/losvibriertes Massekabel der Lichtmaschine in der Hand. Ungefähr sieben Minuten später, nach Einbau einer improvisierten Nachfertigung war ich wieder mobil. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle!

Berliner Werkstattempfehlung.

Berliner Werkstattempfehlung.

Die Weiterreise verlief ohne besondere Vorkommnisse. Der Fiat war schnell aus der Halle geschoben (auch 9000 CC sind nach heutigen Maßstäben unerhört leicht). Das Plüschtier gab Veronica Starthilfe, für einen Moment schien die Welt wiedernoch in Ordnung.

Dabei rührte sich der Wagen komischerweise beim ersten Startversuch nicht – Strom war da, Relais klackte, aber der Anlasser reagierte nicht . Das schwarze Kabel dann von der Karosserie direkt an die Batterie geklemmt und siehe, da, der Wagen läuft. Bißchen Kram in der Halle erledigt, Plüschtier weggeparkt, dabei ging eine halbe Stunde um. Dann Rückmarsch ins Hauptwrack, dort Kurztreffen mit dem Käufer meines Griffins (der es sich seitdem zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, den gesamten mitteleuropäischen Markt an 9000 CD aufzukaufen) um dessen Neuerwerb – einen CD b202 Turbo Automatik – neidvoll zu bestaunen. Während der Fahrt betrug die Bordspannung laut BC 13,6 bis 13,8 Volt, Sorgen machte ich mir also keine.
Bis zum Stop war der Wagen nach der sechseinhalbmonatigen Winterpause dann gut eine Stunde und vierzig Minuten gelaufen. Nach einer dreiviertelstunde Standzeit sprang er dann nicht mehr an – Strom war vorhanden, die Armaturen illuminiert, die Benzinpumpe surrte und ein Relais klackte, aber der Anlasser blieb still.
Erster Gedanke: vielleicht hat die Batterie doch die Standzeit nicht überlebt (dabei ist die nur ein Jahr alt) und jetzt ist zwar genug Strom für die Anzeigen da, aber nicht mehr für den Anlasser. Also flugs zwei Kabel zum Parkplatznachbarn gezogen – und: nichts. (Daß ich einfach den BC auf Bordspannung hätte schalten können fiel mir erst nach der unnützen Aktion ein: die Batterie hatte 12,2 Volt.) Der erfahrenen Kraftfahrer vermutet dann den Magnetschalter des Anlassers.
Beim Blick in den Motorraum wurde klar, daß ich an den Anlasser so einfach nicht herankommen würde, beim Blick in den Kofferraum zerstoben schließlich die letzten Hoffnungen: da war auch nichts drin, was man durch das Geschläuch als Kopfhilfe durchstecken könnte. Also zum zweiten Mal binnen acht Stunden die Gelben gerufen. Hammer + Verlängerung = „percussive maintenance“ – und schon springt der Wagen an.

Mit einem Hammer und einer Stange im Kofferraum herumzufahren und bei jedem Starten zufällige Passanten zur Mithilfe zu nötigen kann aber auch kein Dauerzustand sein. Vielleicht weiß der geneigte Leser ja, ob man den Magnetschalter des Anlassers einzeln tauschen kann, oder obman zwingend das Komplettteil kaufen muß? Reicht eventuell eine Reinigung aus? Die 118 Doppelmark für einen neuen Bosch (daparto-Preis, bei den üblichen Verdächtigen deutlich teurer) müssen ja nicht unbedingt sein… Der Anlasser wurde übrigens vor 6 Jahren und 67.000km schon einmal überholt.

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Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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9 Antworten zu Doppelt hält besser

  1. Eber schreibt:

    Hoffentlich nicht vom H***…

  2. larsdithmarschen schreibt:

    Was für ein Tag!
    Manchmal hat man Pech und manchmal haben die anderen Glück. Aber du konntest ja immerhin deine Reisen fortsetzen. Und das in den schönen Autos. Ich bin bisher noch nie Beifahrer/Fahrer in einem Saab gewesen, aber ich habe es so im Gefühl, dass die irgendwie toll sind :-).

    Ich hatte bei meinen bisherigen Pannen immer weniger Glück. Letztes Jahr, ich wollte gerade von Oma zu einem Termin fahren, ging bei meinem V40 das Radio aus und er ließ sich nicht mehr starten – Batterie leer. Warum wusste ich nicht, War auch egal, meiner Mutter, die mit ihrem Passat da war, schnell den Autoschlüssel gemopst, vorher noch die gelben Helfer angerufen und abgefahren. Der ADAC hat dann überbrückt und meine Mutter konnte nach Hause fahren. Als ich dann nach Hause kam, sprang mein V40 wieder nicht an. Kurzer Blick an die Batterie, kurz gefühlt – irgendwie unnormal warm. Ich hab sie dann lieber ausgebaut… und sie am nächsten Tag weggegeben und mir eine neue eingebaut.

    Mit dem Cabrio sind wir schon öfter liegen geblieben. Ich glaube 6 Mal oder so. Immer so „Kleinigkeiten“ (gut, einmal fing er an zu kochen…) die am Fahren gehindert haben. Mich nervt es aber eher, wenn mein Alltagsauto nicht richtig läuft. Bei den alten Gefährten darf es schon mal zu einer Panne kommen.

    Schöne Grüße
    Lars

    • turboseize schreibt:

      Nö, darf es nicht. Aber einem charmanten Auto nimmt man das weniger krumm.
      Außerdem stellt sich irgendwann auch eine gewisse Routine ein…

      • larsdithmarschen schreibt:

        Stimmt auch wieder ;-). Wenn alte Autos liegen bleiben, kann es auch manchmal echt nervig werden. Ich hoffe ja, dass mich mein alter Buckelvolvo nicht allzu oft im Stich lassen wird. ADAC-Mitglied bin ich aber eh 😉

    • turboseize schreibt:

      Um Deinen Eingangssatz nochmal aufzugreifen: natürlich sind Saabs toll. Den grauen Zwoeinser aus dem Weihnachtsartikel könnte ich für sehr kleines Geld vermitteln… Untenrum erstaunlich rostarm, der Eigner hat auch sehr viel Geld in die Technik investiert – das Ding braucht aber einen Neubezug des Dachhimmels und einen Grobschmied für den Vorderwagen.

      • larsdithmarschen schreibt:

        So gerne ich mal einen Saab besitzen möchte (und irgendwann mal werde!) im Moment muss ich ziemlich sparen, da ich dieses Jahr in meine erste Studentenbude umziehen werde. Wobei ich schon mal gedacht habe, wenn ich „genug“ gespart habe, mir vielleicht einen 900er aus Schweden zu importieren.Schweißen wäre ja nicht soo das Problem. Platz, Zeit und Geld schon eher ;-).

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