Fahrsicherheitstraining

Am vorgestrigen Samstag organisierte der 1. deutsche Saab-Club e.V. im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung ein Fahrsicherheitstraining, das auch Nichtmitgliedern offenstand (von denen sicher einige jetzt eine Mitgliedschaft in Erwägung ziehen werden). In sengender Hitze, die auch die Wasserhindernisse nicht wirklich lindern konnten verbrachten wir einen sehr unterhaltsamen Tag im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Westfalen. Schnell zeigte sich, daß das mit Rücksicht auf die unbekannten Vorkenntnisse der heterogenen Gruppe gebuchte Basistraining auch noch etwas anspruchsvoller hätte ausfallen können. Die meisten Teilnehmer hatten, wenn auch teilweise in grauer Vorzeit, schon einmal an einem Training teilgenommen oder aber so viel Fahrpraxis, daß das Abrufen der einmal gelernten Abläufe nicht schwer fiel, was wiederum die Instruktoren gegen Mittag über Funk zu der gespielt gelangweilten Äußerung verleitete, sie hätten ja gar nichts mehr zu tun und würden jetzt gerne nach Hause gehen.
Daß alle Saabs recht gutmütig abgestimmt sind, vor Allem aber dem Fahrer viel und früh Rückmeldung geben trug sicherlich zur guten Beherrschbarkeit im Grenzbereich bei. Der tapfere Bullifahrer hingegen – einige Teilnehmer waren mit Fremdfabrikaten angereist – hatte Schwerstarbeit zu leisten… Den meisten Spaß dagegen wird der Fahrer eines knallorgangen BMW 1502 gehabt haben, der das Lenken mit der Hinterachse sichtlich genoß.
Überraschend war, daß die 900er die meisten Übungen mit gleicher, wenn nicht sogar größerer Geschwindigkeit angehen konnten wie die mit drei Exemplaren vertreteten 9-5er. Ohne ABS fuhr man dann halt quer um die Hindernisse herum und kam dennoch wieder sicher durch die „Zieltore“, wo das ESP, um instabile Fahrzustände zu vermeiden, den ein oder anderen 9-5 trotz einiger Minderkilometer pro Stunde geradeaus in die Hütchen schickte. (Das soll jetzt keinesfalls heißen, daß der 9-5 ein schlechtes oder gar unsicheres Auto sei – im Gegenteil! Aber es zeigt eben auch, daß sich das im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Autos dieser Klasse sehr aufwendige Fahrwerk des 900 mit seiner Doppeldreieckslenkervorderachse und seine ausgewogene Gewichtsverteilung auszahlen. Normalerweise, so die Instruktoren, seien moderne Autos ihren Vorgängern doch haushoch überlegen…)

Gegen Mittag gingen die Instruktoren dann doch nicht gelangweilt nach Hause, sondern kamen zum wohl wichtigsten Teil der Veranstaltung: der Demonstration von Brems- und Anhaltewegen bei offiziellen und inoffiziellen „Stadtgeschwindigkeiten“. Man nehme zwei gleiche Autos mit gleichen Reifen und gleich guten und gleich aufmerksamen Fahrern, das eine fahre mit 50, das andere mit 70km/h. Wo der 50km/h-Wagen schon steht, fährt der Tempo-70-Wagen noch 55km/h. Bei 30 und 50km/h sieht es ähnlich aus, wo der langsamere Wagen zum Stehen kommt hat der schnellere noch 35km/h drauf. Und wenn man Tempo 30 mit Tempo 70 vergleicht, dann steht der langsame Fahrer schon, bevor der schnelle überhaupt zu Ende gedacht hat, daß er jetzt anfangen möchte zu bremsen.
Die Formeln zum näherungsweisen Ermitteln von Brems- und Anhalteweg kennt jeder Fahrschüler. Wirklich begreifen tut man das aber erst, wenn man es in der Praxis sieht bzw erfahren kann.
Alleine deshalb kann ich die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining nur ausnahmslos jedem Kraftfahrer ans Herz legen – Fahranfängern aber besonders. Daß ich als Fahranfänger anno dazumal fahranfängeruntypisch recht sozialverträglich unterwegs war schreibe ich nicht meiner „Friedfertigkeit“ (von Wegen!) zu, sondern vor Allem der Tatsache, daß ich wenige Monate nach Fahrerlaubniserwerb an einem Training teilnahm. (Daß ein angemessen benzinmotorisiertes Fahrzeug eine vorausschauende und gesittete Fahrweise an der Tankstelle belohnt und wüste Heizerei ebendort auch gnadenlos bestraft mag ebenfalls erzieherisch wirksam gewesen sein.)
Aus eigener Erfahrung kann ich ebenfalls nur dazu raten, ein solches Training nach ein paar Jahren zu wiederholen. Hatte ich anno 2002 bei der my-split-Bremsung oder dem Bremsen mit Ausweichen (ohne ABS gar nicht so trivial) noch wirklich zu kämpfen und fand es 2008 noch fordernd ging es mir gestern überraschend leicht von der Hand. Und so wie es bei den meisten anderen Autos von außen aussah schien es nicht nur mir so zu gehen – wer zum wiederholten Mal teilnahm kam deutlich besser klar. Üben übt!

Jetzt das wichtigste: die Bilder (für deren Überlassung ich Tobias Gebauer vom 1. Deutschen Saab-Club ausgesprochen herzlich danke). Wir sind doch alle nur im Internet, um uns lustige Bilder anzuschauen, die uns von produktiver Arbeit abhalten sollen – hier sind sie.
Die stilsicheren Zubehörfelgen Prollfelgen bitte ich zu entschuldigen.

Zum Aufwärmen wurden Kurvenfahrten geübt.  Nein, die Karre ist nicht dermaßen tiefergelegt, daß ist die Fliehkraft.

Zum Aufwärmen wurden Kurvenfahrten geübt.
Nein, die Karre ist nicht dermaßen tiefergelegt, das ist die Fliehkraft.

Der Reifen ist übrigens nicht von der Felge gehüpft.

Der Reifen ist übrigens nicht von der Felge gehüpft.

Positiv überrascht haben mich auch die Reifen. Dafür, daß sie in den meisten Reifentests in der Kategorie Naßhaftung derbe abgewatscht werden kamen die Michelin Energy Saver mit den Fahrbahnbedingungen unerwartet gut klar.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten: an den beiden einzigen teilnehmenden Fahrzeugen mit „alter Achse“, einem 99 und meinem 900, ging auf der Rückfahrt die Bremse fest, bei mir ironischerweise auch noch auf dem Hof meines Lieblingsersatzteilehändlers. Die Girling-Schwimmsattelbremse mit selbstnachstellender Handbremse ist schon toll – solange man sie nicht zum Bremsen benutzt…
Das Schneewittchen steht wieder in der Werkstatt, zusätzlich zur planmäßigen Inspektion ist dann eben auch die Bremse fällig. „Irgendwas is‘ ja immer“ ist nicht ohne Grund das inoffizielle Motto des Altwagenfahrers.

Herzlichen Dank an den 1. deutschen Saab-Club und an das Team das Fahrsicherheitszentrums Westfalen alias Rally Club Haltern im ADAC für diese rundum gelungene Veranstaltung!

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Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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4 Antworten zu Fahrsicherheitstraining

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