Seiner Zeit weit voraus, oder: Wer braucht schon einen Diesel? Zweiter Teil.

Vor zehneinhalb Monaten hatte ich über den Passat B5 mit dem einsneuner Rumpeldiesel gelästert, (der, wenn er gescheite Sitze gehabt hätte und kein dermaßen verkorkstes Nachtdesign eigentlich alles andere als ein schlechtes Auto gewesen wäre). Damals war ich auf eine theoretische Reichweite – Restreichweitenanzeige des Bordcomputers plus bereits zurückgelegte Srecke – von 1306km gekommen.
Letzte Woche bot sich auf dem Armaturenbrett dann folgendes Bild:

47,8km gefahren, 1347km Restreichweite. Macht zusammen 1395km.

47,8km gefahren, 1347km Restreichweite. Macht zusammen 1395km.

Das wären 25km mehr als der Passat – bei einem unterstellten Verbrauch von ca 4,9Litern/100km. Erfahren unter Fast-Idealbedingungen: beim S-Bahn-Ersatzshuttle über den Münchner Autobahnring, aufgrund der Sinnlosigkeit anderen Tuns tempomatiert zwischen den Lkw auf den beiden rechten Spuren mitschwimmend. Ganz so ideal verliefen die Folgetage dann aber doch nicht, obwohl das grundsätzliche Einsatzschema unverändert blieb kam bei jeder Tour ein Kaltstart und einige längere Ampelphasen hinzu, so daß der Durchschnitt laut Bordomputer auf bedrohliche 6,6 Liter anstieg. Dem Bordcomputer wird im weltbesten Saabforum zwar immer wieder vorgeworfen, mindestens eine halben Liter, manchmal auch noch weit mehr zu unterschlagen. Diese Stimmen hört man aber vorwiegend von Zeitgenossen, die einen etwas unsteteren Gasfuß pflegen – ich selber beobachte und habe bei allen anderen von mir gefahrenen 9000 (welche da waren einige) eher das Gegenteil beobachten können: Im Stadtverkehr fehlen vielleicht gelegentlich ein oder zwei Zehntel, auf der Langstrecke aber ist der Reiserechner meistens zu pessimistisch und die Realverbräuche liegen oft noch unter der Computerangabe. Jetzt handelte es sich hier nicht um eine Langstrecke, aber auch nicht wirklich um Stadtverkehr (fünf Ampeln bis zur Autobahn, davon meistens drei bis vier rot). Man durfte also gespannt sein:

561km gefahren, 37 Liter getankt.

560,4km gefahren, 37 Liter getankt.

Selbst unter Gewaltandrohung waren nicht mehr als 37 Liter in den Tank zu pressen. (Den Zwang, möglichst ganze Literzahlen zu tanken führe ich auf meine Dienstzeit zurück. Ich bin da auch nicht alleine: das kennt jeder, der jemals ein Gerätebegleitheft führen mußte.) 37 Liter durch 560,4km mal 100 ergibt zienlich genau 6,6 Liter. Nicht ganz so beindruckend wie die fiktiven 4,9, aber dennoch alles andere als schlecht für einen 26 Jahre alten Benziner mit irgendwas zwischen 163 und 204 PS. Ich wage die Behauptung, daß ein moderner Downsizingvierzylinder mit vergleichbaren Rahmendaten auch nicht wesentlich sparsamer gewesen wäre.
Manchmal ist es erschreckend, wie weit der 9000 damals seiner Zeit voraus war.

Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen tankt bevorzugt bei Shell und empfiehlt das auch seinen Lesern. Schließlich gehört ihm der Laden. Zwar nur zu einem verschwindend kleinen Teil, aber das ist besser als nichts…

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Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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