Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Доверяй, но проверяй, dem russischen Berufsunruhestifter Wladimir Iljitsch Uljanonow zugeschrieben und im Deutschen oft nachlässig als „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ übersetzt (wörtlich: „vertraue, aber prüfe nach“) trifft den Grund dieses Beitrages nur zum Teil, eignet sich aber hervorragend als Einleitungssatz.

Letzte Woche bestellte ich bei der Firma oelcheck das Probenset Nr 2 und entnahm während des planmäßigen 550.000er-Ölwechsels eine Motorölprobe. Oelcheck versendet ein kleines Päckchen, daß das Probengefäß mit farblich codiertem Deckel (je nach bestelltem Untersuchungsumfang), einen Versandumschlag und einen UPS-Rückholschein enhält. 73,19€ kostet der Spaß, wenn man auch die TBN bestimmen lassen will. Das ist, wenn man sich im Vergleich die Preise für Ölanalysen in den USA anschaut, nicht ganz billig, aber wenn man die Versandkosten „über den Teich“ mit einbezieht bleibt vom Preisvorteil der amerikanischen Labore auch nicht mehr viel übrig.

Der Spaß kostet mehr als ein Ölwechsel. Warum also macht man das, wenn man ganz einfach stumpf nach spätesten 10.000km das Öl wechseln könnte? Und warum mache gerade ich das, der ich keine Absicht habe, die Ölwechselintervalle zu verlängern?

Ganz einfach: ich bin neugierig. Neugierig, wie sich das Mobil 1 in meinem Motor geschlagen hat. Neugierig, wie sich andere Öle in dem Motor schlagen werden. Neugierig, wie sich mein Fahrstil auf den Verschleiß auswirkt. Die Autos werden im Allgemeinen bei moderaten Geschwindigkeiten auf der Langstrecke bewegt, aber ich habe die Angewohnheit, auch schon in niedrigen Drehzahlen mit viel Last zu fahren. Das geht potentiell auf die Lager. Und wenn ich ein Auto trete, was selten genug vorkommt, dann sehen die Maschinen nicht nur für einen kurzen Landstraßensprit oder zwischen ein oder zwei Autobahnanschlußstellen Vollgas, sondern gleich für ein bis zwei Tankfüllungen am Stück…
Neugierig bin ich auch darauf, wie das Ölbild des 9000 aussieht: ich habe nämlich vor (so mir die OHL nicht wegen groben finanziellen Unfugs auf die Finger haut) eine kleine Serie mit zwei Autos und verschiedenen Ölen in Auftrag zu geben. In Schneewittchen und Veronica werkeln nämlich zwei weitgehend baugleiche Motoren. Die Unterschiede betreffen nur die Peripherie, der B202XL des 9000 hat lediglich einen anderen und größeren Ladeluftkühler und eine schlauere Zündung als der B202L des Schneewittchens. Dat Schneewittchen ist 140.000km seit der Revision gelaufen, Veronica vermutlich ungeöffnete 310.000km.
Im Schneewittchen war für die letzten zwei Ölwechsel Mobil1 0w-40 „New Life“ drin; in beiden Autos befindet sich jetzt Aral Super Tronic 0w-40. Das trägt im Gegensatz zur MB 229.5 und Porsche A40 des Mobil „nur“ die „Dieselpartikelfilternorm“ MB 229.51, aber laut Norm darf es im Verschleiß und in der Reinigungswirkung keine Unterschiede zur 229.5 geben. Es hat eine etwas geringere Heißviskosität als das Mobil, aber es ist im Gegensatz zu diesem vollsynthetisch – und es ist günstig, was in dieser Kombination das Wohlwollen meiner Sankt Augustiner Werkstatt findet.
Perspektivisch würde mich auch interessieren, wie sich die billigen 5w-40 von Total und Addinol schlagen (der 5-Liter Kanister kostet da nur grob 20€). Das aber erst nächsten Sommer – im Winter muß dat Schneewittchen wieder nach Schweden, und mangels motorvärmare kann ein Öl dann und dort nicht kaltstartfähig genug sein.

Meine Hypothese: Unterschiede wird man eher zwischen den Motoren und den unterschiedlichen Betriebsbedingungen sehen, als zwischen den Ölen – zumindest wenn wir im Bereich der 229.5/229.51 bleiben.

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Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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9 Antworten zu Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

  1. Michael schreibt:

    Na ja, Mobil, mehr verschleiss denke ich…. Nach dem Repararatur meinem Triebwerk,2.3 L, ist in Ring kapput gegangen …. Fruher hab ich nur Castrol Oils verwendet gehabt und jetzt wieder eine Reparatur… Konnte es sein, dass die Motoroile halten di Kvalatat nicht …

  2. Michael schreibt:

    Entschuldigung, trage schon Brille, etwas ist schlecht eingeschrieben worden 🙂 Schonen Tag 🙂

    • turboseize schreibt:

      Keine Angst, nach dem ersten Kaffee verstehe ich das auch. Hoffe ich zumindest. 😉
      Du hattest Probleme mit den Kolbenringen in einem 2.3er? (Welcher denn? b234 oder b235?)
      Hatte ich auch mal, bei 410.000 war ein Ring an Zylinder #4 durch. Das lag aber an einem defekten Steuergerät und zu magerem Gemisch. Der Rest der Maschine sah beim zerlegen noch fast neuwertig aus… Was der Motor auf den ersten 300.000km bekommen hatte weiß ich nicht, aber von 300.000 bis 410.000 waren es hauptsächlich Mobil Delvac 10w-40 und Shell Helix 10w-40.
      https://turboseize.wordpress.com/2010/08/01/am-offenen-herzen/

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