Vostok Amfibia

Nach dem Desaster im Badesee war klar, daß 50m nicht ausreichen. Eine „richtige“ Taucheruhr mußte her. Bevor ich aber zu viel Geld ausgeben konnte – gereizt hätte mich bspw. die Longines HydroConquest oder die Certina DS Action Diver – flogen die Schwiegereltern ein und brachten etwas mit. (Wahrscheinlich hätte ich eh nicht so viel Geld ausgegeben – neben dem Träumen schaute ich ganz konkret nach einer Amfibia. Mit dunklem Ziffernblatt kann man die auch leidlich elegant aussehen lassen).

Kitschiges U-Boot auf dem Ziffernblatt - untendrunter liegt eine Тельняшка.

Kitschiges U-Boot auf dem Ziffernblatt – untendrunter liegt eine Тельняшка.

Nun, mit Eleganz haben es die Schwiegereltern nicht so. Ein kitschig bemaltes Ziffernblatt mußte sein. Allerdings verfügen sie durchaus über einen gewissen Humor: für einen wohlgenährten 1,90m-Klotz paßt natürlich ein U-Boot am Besten. Deshalb gab es auch gleich eine Тельняшка dazu.

Warum aber unbedingt eine Amfibia? Weil das grundsätzlich eine ziemlich geniale Uhr ist. Sie wird seit fast 48 Jahren gebaut. Man darf sich auch von der teilweise etwas rustikalen Verarbeitung nicht darüber hinwegtäuschen lassen, daß sich die Konstruktion selbst nur mit dem Wort „elegant“ umschreiben läßt. Klassische Taucheruhren verlassen sich, um Dichtigkeit und Druckfestigkeit zu garantieren vor Allem auf die Festigkeit und Dimensionierung des Materials. Aber um die Schweizer Patente zu erwerben fehlte das Geld, außerdem hättte man eh nicht mit der notwendigen Präzision fertigen können. Also wurde aus der Not eine Tugend gemacht. So verformt sich zB. das zweifach gekrümmte Plexiglas definiert und erhöht damit unter Wasser die Flächenpressung auf die Dichtung. Bemerkenswert ist auch die Konstruktion des Bodens. Anders als bei den einteiligen, eingeschraubten Böden anderer Uhren wird hier der von zwei Nuten gehaltene Bodendeckel nur aufgesetzt und dann mit einem eingeschraubten Haltering gesichert. Da sich der Bodendeckel beim Festschrauben nicht mitbewegt ist die Dichtung keinerlei Scherbelastung ausgesetzt und damit wesentlich beständiger als die O-Ringe vergleichbarer zeitgenössischer westlicher Uhren – von der wesentlich größeren Dichtungsoberfläche der Flachdichtung einmal ganz zu schweigen.
Man sagt den Russen ja einen Hang zum brute-force-engineering nach, aber die Amfibia ist das genaue Gegenteil.

Ein sehr schönes Video hat Gentleman of Leisure veröffentlicht:

Ja, das Stahlband ist klapprig und ein veritables Epiliergerät. Natos (welch Ironie!) gehen natürlich immer und sind eine günstige Möglichkeit, die Uhr verschiedenen Anlässen anzupassen. Meine Bänder habe ich bei Buran01 in Schöneberg gekauft, Miro wäre aber auch eine empfehlenswerte Adresse. Die Uhr selbst kann man, wenn man keine russische Verwandschaft hat zum Beispiel über Buran beziehen oder aber direkt in Tschistopol bei Meranom bestellen. (Das habe ich noch nicht selber gemacht, aber bis dato nur positive Erfahrungsberichte gefunden.) Bei Meranom gibt es auch immer wieder Sondereditionen, teilweise auch deutlich hochwertiger, z.B. mit Gehäusen aus gebürstetem Edelstahl.

Zum Abschluß noch drei Bilder meines „U-Bootes“.

Wasserdicht bis 200m, stoßgeschüztes Automatikwerk (Eigenkonstruktion), und das alles für unter 100 €? Wer eine günstige, robuste Uhr sucht wird an der Amfibia wohl kaum vorbeikommen.

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Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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Eine Antwort zu Vostok Amfibia

  1. turboseize schreibt:

    Update: Über Meranom habe ich eine (dezentere) Uhr für meinen Vater gekauft. Versand dauerte ein paar Tage. Die Uhr ging nach einigen Monaten kaputt (Verarbeitungsfehler – eine Schraube hatte sich gelöst und das Uhrwerk blockiert). Die Reparatur erfolgte auf Garantie über einen der im Beipackzettel genannten Händler in St. Petersburg.

    Ein Luxemburger Saabfreund bestellte gleich mehrere Uhren dort: dort dauerte der Versand mehrere Wochen (der hatte auch nicht den Expreßversand gewählt), wobei der Großteil der Reisezeit laut Trackingnummer wohl westlich der russischen Zollabfertigung draufging.
    Grundsätzlich kann ich Meranom also empfehlen; man sollte sich nur bewußt sein, daß man bei Garantiefällen auf den postsowjetischen Raum angewiesen ist und die Portokosten schnell mal den Wert der Uhr erreichen können.

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