Motorölanalyse: Aral Super Tronic 0w-40 im Saab 900 turbo (B202L)

Die letzten beiden Intervalle seit der Ölanalyse des Mobil1 „new life“ fuhr dat Schneewittchen mit Aral „Super Tronic“ 0w-40. Das ist zwar nur ein „low-SAPS“-Öl nach MB 229.51, aber es ist billig und vollsynthetisch. Für einen Benziner mit Saugrohreinspritzung wird ja immer ein klassisch additiviertes Öl empfohlen – notwendig sind Öle mit reduziertem Sulfataschegehalt nur für Motoren mit Partikelfiltern, wenn ein gewisser Ölverbrauch befürchtet wird. Weder hat (noch braucht!) der B202 als Benziner mit Saugrohreinspritzung ein Filter, noch verbrennt dieser spezielle Motor Öl. Low-SAPS-Öle sind, zumindest bei den klassischen Verschleißschutzadditiven, bedeutend zurückhaltender additiviert und auch die TBN, also das Säureneutralisationsvermögen, ist geringer. Kurz: ein low-SAPS scheint in diesem Auto auf den ersten Blick unsinnig.
Andererseits ist das Aral  ja vollsynthetisch (im Sinne von mind. 80% PAO) und günstig, was beides die Zustimmung meiner Lieblingswerkstatt findet. Die 229.51 fordert das gleiche niedrige Verschleißniveau wie die 229.5, und genau wie das Mobil1 trägt auch das Aral die Posche A40. (Diese Zertifizierung ist für ältere Saabturbomotoren besonders wichtig, weil bei der A40 als Testmotor ein aufgeladenes Aggregat verwendet wird, das mehrfach knallheiß abgestellt wird, um die Verkokungsneigung des Öls im Turbolader zu überprüfen. Die Garrett-T3 der b201 und frühen b202 sind anders als die meisten modernen Lader nicht wassergekühlt, so daß sie für verkokendes Öl besonders anfällig sind. Dem kaltfahren und nachlaufenlassen kommt bei diesen Ladern besondere Bedeutung zu.)
Die geringere TBN schließlich sollte bei mitteleuropäischen Kraftstoffqualitäten und meinen Fahrprofilen schließlich absolut zu vernachlässigen sein. Es spricht also eigentlich auch nichts gegen das Aral…

Bei der letzten Inspektion entnahm ich eine Probe; das Ergebnis liegt seit kurzem vor:

Aral Super Tronic 0w-40 nach grob 10.000km im B202L

Aral Super Tronic 0w-40 nach grob 10.000km im B202L

Auf den ersten Blick scheint der erhöhte Eisenwert eine klare Verschlechterung zu sein. Andererseits sind die Werte, bringt man sie auf den gemeinsamen Nenner von 10.000km, nicht so drastisch auseinander – dann wäre Eisen beim Mobil bei ~13 und beim Aral bei ~16. Das nimmt sich fast nichts, wenn man die möglichen Meßtoleranzen bedenkt erst recht nicht.
Außerdem wurde das Aral im Winter gefahren, während das Mobil1 im Spätsommer/Herbst seinen Dienst tat und keinen einzigen winterlichen Kaltstart absolvieren mußte.
Unsere Arbeitshypothese „ob das Öl nach MB 229.5 oder 229.51 freigegeben ist ist völlig egal“ vermag diese Analyse jedenfalls nicht zu widerlegen.

Die Testserie geht weiter mit dem unschlagbar günstigen Shell Helix Ultra 0w-40. Nach zwei Intervallen werde ich auch davon eine Probe analysieren lassen und das Ergebnis hier vorstellen.

Disclaimer: die in diesem Beitrag (wie auch in anderen Artikeln) gesetzten links zu webshops sind leider keine affiliate-links. Ich bekomme dummerweise keine Provision, ich bin einfach nur nett…
Vielleicht sollte ich das ändern?

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6 Antworten zu Motorölanalyse: Aral Super Tronic 0w-40 im Saab 900 turbo (B202L)

  1. Pingback: Welches Motoröl? Seite 4925 : @ renegolf, habe auch noch genug zu hause. PLZ 63110 wenns pas...

  2. Onkel Kopp schreibt:

    Ich finde ich es super, dass du solch einen Test mit mehreren Ölen durchführst, das interessiert mich auch sehr. Ist ja nicht ganz billig. Die Vorgehensweise erste die zweite Ölfüllung zu untersuchen ist absolut richtig, um das vorherige Öl weitestgehend aus dem Motor zu spülen. Die Restmengen sind dann vernachlässigbar. Das Ergebnis zeigt zunächst einmal, dass beide Öle gleichermaßen gut funktionieren, alle Werte sind im grünen Bereich. Die Unterschiede hinsichtlich Verschleiß und Alterung sind in einer Größenordnung, in die man in Anbetracht der Test-Randbedingungen nichts hineininterpretieren kann. Das Aral ist etwas milder legiert, aber bei den Additivpaketen gilt eben nicht „Viel hilft viel“, sondern auf die Mischung/Abstimmung kommt es an. Mehr Schwefel ist also nicht automatisch besser, auch wenn es natürlich eine Schutzwirkung hat und ohne Partikelfilter nicht schadet. Die reduzierte BN dürfte bei einem 10.000er Wechselintervall keine Rolle spielen. Ich prophezeie mal, dass auch mit den günstigeren 5W-40 von Total und Addinol die Werte im grünen Bereich und nicht weit weg von den anderen (ausgenommen natürlich die Additivmetalle/Schwefel) liegen werden.

  3. turboseize schreibt:

    Achtung: Das Aral hat wohl mittlerweile keine Porsche-Freigabe mehr! Ob das an einer möglichen Änderug der Formulierung liegt oder daran, daß man sich die Lizenzgebühren sparen wollte, weiß ich nicht.
    Die MB 229.51 und die BMW LL-04 hat es noch…

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