Saab Bilmuseum – engine porn

Der Motor: das Herz eines Autos. Motoren stehen auch im Museum herum, einige habe ich photographiert.

Für die Rallye-EM: 2 Liter 16V, 225 PS.

Für die Rallye-EM: 2 Liter 16V, 220 PS.

Der erste Saab-16-ventiler hat bis auf die Anzahl der Ventile wenig mit dem späteren B202 zu tun. Nockenwellenantrieb über Zahnriemen, und die Leistung holt er über die Drehzahl. Entwickelt für den Rallyeinsatz im Saab 99, wurde trotz zufriedenstellender Bewährung sehr schnell durch den Turbomotor ersetzt- Zum einen ist das Bessere der Feind des Guten, zum anderen änderten sich die Homologationsbestimmungen. Für die Saison ’78 hätte Saab statt 100 (von denen es, Gerüchten zufolge, nur die Hälfte tatsächlich gegeben haben soll) gleich 500 Köpfe fertigen müssen.

Der B-Motor als turbo. Der Beginn einer Legende.

Der B-Motor als turbo. Der Beginn einer Legende.

Im Modelljahr 1978 debütierte der 99 turbo. Der erste Turbomotor in einer braven Familienkutsche. Mit diesem Motor erfand Saab praktisch das downsizing: anstatt, wie viele andere Hersteller zu dieser Zeit einen Sechszylinder unter die Motorhaube zu quetschen lud Saab den Vierzylinder auf. Turbomotoren in Serien-Pkw hatte es vorher auch schon gegeben, aber hier wurde der Lader zum ersten Mal nicht zur Erzielung möglichst hoher Spitzenleistung genutzt, sondern auf ein möglichst breit nutzbares Drehzahlband abgestimmt. Bei Bedarf war so in „alltäglichen“ Fahrsituationen das Drehmoment eines viel größeren Saugmotors verfügbar, der Verbrauch hielt sich jedoch bei sinnvoller Fahrweise noch in akzeptaben Grenzen. (Wobei angemerkt werden muß, daß „akzeptabel“ hier zeitgenössisch zu verstehen sei. Der frühe B-Motor ist sehr niedrig verdichtet. Der große Sprung, den Verbrauch eines modernen Vierzylinders mit dem Drehmoment eines kleinen V8 zu verbinden gelang 1982 mit der elektronischen Ladedruckregelung APC, die die Anhebung des geometrischen Verdichtungsverhältnisses fast auf das Niveau von Saugmotoren erlaubte.)

Im Serienwagen einen „Turbo für täglich“ anzubieten hielt die Sportabteilung jedoch nicht davon ab, dem Turbo für den Renneinsatz ordentlich Beine zu machen. Man brauchte ja eh einen Ersatz für den 16V.
280 PS und ordentlich Drehmoment ließ man auf den 99 turbo und Stig Blomqvist los. Das reichte 1979 für einen Sieg bei der 29. International Swedish Rally – der erste Sieg eines Turbomotors bei einem Weltmeisterschaftslauf.

Der B202 - wahrscheinlich der beste Saabmotor überhaupt.

Der B202 – wahrscheinlich der beste Saabmotor überhaupt.

Mit dem b202, eingeführt zum Modelljahr 1984 (September 1983) war Saab endgültig seiner Zeit einige Jahrzehnte voraus. Der erste 16v-Turbomotor in der Großserie überhaupt. Ladeluftkühlung, moderne Gemischaufbereitung, elektronische Ladedruckregelung – im Prinzip ist das ein Motor, der auch heute noch aktuell sein könnte, zumindest in der ab 1989 im 9000 verbauten Form als B202XL mit ruhender, verteilerloser elektronischer Zündung. 160 bis 204 PS aus zwei Litern, bei sinniger Fahrweise unerhört sparsam und eine extreme Dauerhaltbarkeit. Regelmäßige Öl- und Kühlwasserwechsel vorausgesetzt kann man vielleicht einmal irgendwo zwischen dreihundert- und vierhunderttausend Kilometern kurz darüber nachdenken, prophylaktisch die Lagerschalen zu tauschen und nach der Steuerkette zu sehen, ansonsten aber braucht es Vorsatz oder zumindest gnadenlose Vernachlässigung, daß ein B202 den Dienst quittiert.
Für mich ist der b202 nicht nur der in der Summe seiner Eigenschaften zweifellos beste Saabmotor, sondern hat auch seinen Platz unter den besten Motoren überhaupt sicher – herstellerübergreifend.

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Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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Eine Antwort zu Saab Bilmuseum – engine porn

  1. Frank schreibt:

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