Plakettenirrsinn, nächster Teil. Sogenannte „Umweltzonen“ und Konsumdrohnen

Die (merheitlich der grünen Verbotspartei angehörenden) Umweltminister der Länder haben neulich in einer Sonderkonferenz eine blaue sogenannte“Umweltplakette“ gefordert, um das Problem der trotz der (vorhersehbar) wirkungslosen Fahrverbote für ältere Kfz im Zuge der Unfugzonen weiter verschlechterten Qualität der Atemluft in den meisten deutschen Großstädten anzugehen. Dabei geht es zum einen um Feinstaub (wobei in Hamburg die Aerosole der Seeluft und in Berlin der Brandenburger Sand mitgemessen werden – selbst unbesiedelt wäre mit den derzeitigen Meßmethoden eine Belastung feststellbar), vor Allem aber um die Rahmen des VW-Skandals auch ins öffentliche Bewußtsein gerückten Stickoxide. Den Forderungen nach soll in die neue Zone nur einfahren dürfen, wessen Fahrzeug die Abgasnorm Euro 6 erfüllt, gelegentlich wird auch berichtet, daß Fahrzeuge mit Ottomotoren ab Euro3 auch vom Fahrverbot ausgenommen werden sollten. (Siehe Positionspapier des Abmahn- und Spendensammelvereins des Herrn Resch, pardon, der sogenannten „Deutschen Umwelthilfe“.)

Benzinmotoren mit Saugrohreinspritzung und Katalysator haben weder ein Problem mit Feinstaub- noch mit NOx-Emissionen. (Die extrem seltenen und aus dem Straßenbild mittlerweile größtenteils verschwundenen Magermixmotoren klammern wir hier aus.) Auch nicht, wenn sie nur Euro1 oder Euro2 erfüllen. Sie dürften laut Norm wesentlich mehr ausstoßen als nach den neueren Normen (Zusammenrechnung von NOx und HC in den Normen vor Euro3), tun es aber weder auf dem Prüstand noch in der Realität. Ganz im Gegenteil: der tatsächliche NOx-Ausstoß ist in nahezu jedem Betriebszeitpunkt vernachlässigbar.

Moderne Dieselmotoren dagegen stoßen weiterhin Feinstaub aus (der Partikelfilter vermindert zwar wirksam die Gesamtmasse der emittierten Teilchen, filtert aber nur den „groben“ Dreck heraus – die kleinsten, besonders gefährlichen Partikel können ihn passieren, die Zahl der Partikel reduziert sich nur insignifikant) und die NOx-Emissionen sind abseits der Prüfstandsläufe jenseits von gut und Böse. Vergleichen wir den tatsächlichen NOx-Ausstoß eines modernen Diesels mit einem 30 Jahre alten Benziner, dann reden wir hier über grob das zwanzigfache, das der nach Norm „saubere“ Motor mehr emittiert. Der moderne Dieselmotor ist hier, bei den Stickoxiden, grob auf dem gleichen gesundheitsschädlichen Niveau wie ein unkatalysierter Ottomotor, der ja zu recht nahezu vollständig aus dem Straßenverkehr verschwunden ist.

Die städtische Luftqualität ist unter anderem deshalb so schlecht, weil die meisten modernen Fahrzeuge die Grenzwerte ihrer Abgasnorm nicht einhalten. (Die anderen Gründe bestehen darin, daß der Wind an den Grenzen der sogenannten „Umweltzonen“ nicht halt macht und daß der Verkehr nur einen Bruchteil der gesamten Emissionen ausmacht; der überwältigende Teil geht auf das Konto von Industrie und Gebäudeheizungen. Aber das ist ein anderes Thema.)

Weil also die meisten modernen Diesel das Zwanzigfache fache des Erlaubten emittieren soll unserem älteren Fahrzeugen, die auch im Realbetrieb deutlich sauberer sind und nur das Fünfzigstel der Schadstoffe eines modernen Diesels ausstoßen die Einfahrt verwehrt werden. Klingt logisch.

Oder sollte es vielleicht doch daran liegen, daß wir uns als brave Konsumdrohnen gefälligst alle drei Jahre ein neues Auto leasen sollen?

Lektüreempfehlung:
Matthias Knippel, Altwagen. ISBN: 978-3-944977-16-4
Das Kapitel über Abgase ist online als Leseprobe einsehbar.

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Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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4 Antworten zu Plakettenirrsinn, nächster Teil. Sogenannte „Umweltzonen“ und Konsumdrohnen

  1. turboseize schreibt:

    Wirkliche Verbesserungen, nicht nur für die Luftqualität, sondern für die Lebensqualität allgemein könnte man mit einem bedarfsgerechten Ausbau des ÖPNV und der Föderung des Radverkehrs erreichen.
    Autos sind in der Stadt grundsätzlich das falsche Verkehrsmittel, aber wenn es denn unbedingt innerstädtisch ein Auto sein muß, dann ist ein alter, katalysierter Benziner immer noch das am wenigsten schädliche.

  2. dermultiplepapa schreibt:

    Das Problem vielfach ist, daß man sich auch keine neue(re)n Autos leisten kann.
    Ein Beispiel sind wir hier. Wir brauchen zwei Autos, allein damit ich nicht ans Haus gefesselt bin, wenn meine Frau bei der Arbeit ist, ÖPN kann man hier vergessen.
    Wir haben zwei Autos Baujahr 1999, Beide Euro 2, eines auch D3, die Anschaffung von Neueren sitzt einfach nicht drin.

  3. trixisonnenschein schreibt:

    Euro6….da gehts nicht um youngtimer die verdrängt werden😠

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