Das Plüschtier auf der Veterama – Frühjahr ’16

Drei Autos pro Fahrerlaubnisinhaber seien ungefähr zwei zuviel, befand die OHL. Mindestens eines müsse gehen.
Nachdem das Plüschtier mich aufgrund der Inkompatibilität mit seiner neuen Garage einiges an Nerven und einige hundert Euro für einen neuen Auspuff gekostet hatte war auch klar, welcher Wagen gehen muß. Auf Classic Trader inseriert ist der Wagen schon, aber auf Messen läuft nach allgemeiner Lebenserfahrung interessiertes und zahlungskräftiges, nicht aber unbedingt szenekundiges Publikum herum. Vor Allem ist der Anteil jener unangenehmen, aber leider youngtimerszenetypischen Geizhälse, die meinen, für 800 Euo bekäme man ein rostarmes, funktionsfähiges und dauerhaltbares Auto ohne Wartungsstau, erfreulich gering. Warum also den Wagen nicht auf einer Messe ausstellen?
Die zunächst angedachte und weil in meiner Heimatstadt stattfindende auch präferierte TechnoClassica war jedoch schon nach dem ersten Blick auf die Preise raus. Grob 270 Euro für eine Standplatz auf dem Außengelände, zuzüglich 20% Nachmeldegebühr, und auf das alles nochmal die Märchensteuer obendrauf. Kann man machen, wenn man Autos in fünf- oder sechsstelligen Preisbereichen anbietet. Aber vierstellig? Nö. Das steht in keinem Verhältnis zum möglichen Erlös.
Die Veterama war jedoch erfreulich günstig. Gut, fahren wir eben an den Hockenheimring. Dann kann ich auch gleich den fellow petrolhead M. besuchen, fürderhin Maserati-Matze genannt. Der wohnt nämlich gleich um die Ecke auf der anderen Rheinseite in der Pfalz und hat sich gerade ein neues Landstraßenspielzeug gekauft. (Dazu demnächst mehr.) Außerdem läge dann HFT quasi auf dem Weg, so daß man die Aktion auch mit der 120.000er-Inspektion des Plüschtieres verbinden könnte. Bei Frank lagen außerdem noch zwei Getriebe, die ebenfalls nach Windeck müßten. Ich liebe es, wenn logistische Herausforderungen sich so einfach lösen lassen.

Also nach der Kupplungsreparatur des Schneewittchens schnell die Rückbank umgelegt und zwei Schaltboxen hineingeworfen. Den Handschalter stemmt man zur Not alleine über den Kopf, aber der Automat ist schwer und wiegt gefühlt mindestens das doppelte. Außerdem ist er recht unhandlich. Aber: es geht. Man kann die BW-37 durch die Seitentür in einen Stufenheck-900 laden. Schräghecks sind für Weicheier. Kombis erst recht.

Der 900 hat keine Zurrösen im Kofferraum. Zum Niederzurren geht man mit en Spanngurten an die Befestigungspunkte der Gurte und der Rückbank.

Der 900 hat keine Zurrösen im Kofferraum. Zum Niederzurren geht man mit den Spanngurten an die Befestigungspunkte der Gurte und der Rückbank.

In Berlin hatte das Plüschtier in der Zwischenzeit bei Pinkowski ein neues Flammrohr bekommen. Plüschtier abgeholt, beide Autos nebeneinder gestellt, Maschinenbaustudenten mit dicken Armen rekrutiert und umgeladen. Am nächsten Morgen war ich dann pünktllich zum Mittagessen mit dem Plüschtier und zwei Getrieben in Windeck. Die 120.000er-Inspektion eskalierte dann leider: aus „Ventilspiel kontrollieren“ wurde „Ventilspiel einstellen“. Dazu muß beim b201 die Nockenwelle heraus – wie bei alten Alfas liegen die Einstellplättchen unter den Tassenstößeln.

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Daß eine Antriebswellenmanschette gerissen war fiel da zeitlich kaum mehr ins Gewicht. Und wenn man schonmal da ist kann man auch gleich die Bremsflüssigkeit tauschen…
Trotz wildestem Gebolze (im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten eines 900i Automatik…) kam ich viel zu spät in der Pfalz an.

Mein Gastgeber pflegt auch bei Alltagsautos einen guten Geschmack.

Mein Gastgeber pflegt auch bei Alltagsautos einen guten Geschmack.

Am nächsten Morgen ein schneller Kaffee, dann nach Landau das Auto waschen. Noch schnell einen Tankstellenkaffee und weiter geht’s zum Hockenheimring. Dort wurde das Auto an prominenter Stelle geparkt, die Annonce mit telephonischer Erreichbarkeit gut sichtbar ausgelegt und der Saabforumskalender mit seinem Junibild werbewirksam auf dem Armaturenbrett drapiert.

Der anschließende Marktplatzbummel ließ aber schon erste Zweifel aufkommen. Die versprochenen 300 zum Kauf ausgestellten Fahrzeuge reduzierten sich auf geschätzt 50. (300 könnten es gewesen sein, wenn man Moppeds und Fahrräder mitzählt.) Nach relativ kurzer Zeit war mir klar: eigentlich bin ich hier falsch. Die Veterama ist eine Messe vornehmlich von alten Männern für alte Männer mit Motorrädern. Das Publikum setzt sich meinen Beobachtungen nach zu grob 60% aus alten Männern mit und ohne Motorrädern zusammen, zu jeweils ungefähr 15% aus geschäftstüchtigen Holländern und Polen, die besagten älteren Herren Motorradschrott andrehen, und die restlichen 10 Prozent haben anscheinend entweder das Bedürfnis oder die Möglichkeiten, eine gesamte Wehrmachtsdivision mit Bekleidung und Material auszustatten. Kann man machen, muß man aber nicht. Man sehe dem Verfasser dieser Zeilen nach, daß er aus ästhetischen Gründen darauf verzichtet, obig beschriebene Zustände bildlich zu dokumentieren.
Es gab jedoch auch löbliche Ausnahmen. Gummiteile als Meterware zum Beispiele oder Raumschiffe.

Oder aber alte Rennräder. Auch wenn das Angebot sehr Shimano-lastig war und man Campagnolo vergeblich suchte, so verfügt der Händler laut eigenem Bekunden auch über ein gewisses Lager an Huret-Teilen. Das könnte für die Rekonstruktion des Alltagsrades hilfreich werden, die Telephonnummer ist jedenfalls notiert.

Leider Shimano, trotzdem ganz hüsch.

Leider Shimano, trotzdem ganz hüsch.

Und dann traf ich im Gewirr der Gassen einen etwas derangiert wirkenden KLE, der für den Fusselshop ausstellte. Endlich normale Menschen! Das mußte natürlich mit dem Erwerb eines Abwrackprämienaufklebers gefeiert werden.

Konzentrieren wir uns also auf die Autos. Um ein Auto zu verkaufen war ich schließlich angereist, werfen wir also einen Blick auf die Marktbegleiter.
Zum Verkauf stand eine wilde Mischung, vom Jaguar bis zur Ente, in allen erdenkbaren Erhaltungszuständen, die Preise von angemessen bis frech.

Drei Jaguar XJS: ein leicht unseriös wirkender silberner V12 für 12k (könnte an den Zierstreifenaufklebern liegen), zwei sehr hübsche Sechszylinder, einer blau, der andere grün, für acht- bis neuntausend Doppelmark. Besäße der Wagen nicht das Potential zur hemmungslosen Unterhaltskostenexplosion könnte ich mir sowas durchaus vorstellen. Ich halte den XJS für eines der elegantesten Fahrzeuge aller Zeiten.

Die Total vergammelte Ente im Hintergrund wäre übrigens „gegen faires Gebot“ abzugeben. Was sich der Verkäufer als für einen auseinanderfallenden, fahruntauglichen Rosthaufen „fair“ empfindet kann ich noch nichtmal erahnen. Sehr fair fand ich aber diesen Landrover Series 3 Pickup, der am Sonntag mein Parkplatznachbar wurde.
Wunderbar patiniert, aber strukturell gesund. Ein Traum von einem Nutzfahrzeug.

Besondere Erwähnung verdienen auch die beiden Peugeot 505. Ein braver, aber sehr geschmackvoller 2-Liter Benziner und ein leicht patinierter depressivgrauer 505 turbo. Das beige Schmuckstück scheint verkauft worden zu sein, jedenfalls habe ich es am Sonntag nicht mehr gesehen.

Für die Klasse der Brot-und-Butter-Autos sei beispielhaft dieser sehr charmante Renault 5 genannt.

Weiß-rot geht immer, Automatik ist in einem Stadtauto auch nicht verkehrt.

Extrem selten auch dieser Toyota. Wann hat man sowas das letzte mal gesehen?

Ansonsten die üblichen Verdächtigen: alte Mercedes aller Couleur (inklusive eines dem Anschein nach recht schnell für 30.000€ verkauften wirklich netten w124 E500), ein e32, die obligatorischen Käfer und eine DS. Merke: hübsche w201 sollen mindestens 8000 Euro kosten, ungeachtet der Ausstattung, w123 kosten auf einer Messe auch acht bis neuntausend, und zwar nicht nur unabhängig von Ausstattung und Motorisierung, sondern auch ungeachtet des Zustandes. Was da angeboten wurde war zum Teil wirklich schön, zum Teil aber auch nur erschreckend.
Der Taunus sah wie geleckt aus, der Ferrari 308 ebenfalls. Letzterer klang auch unglaublich gut, der Verkäufer hatte leider darauf verzichtet, eine Preisvorstellung zu veröffentlichen. Der Honda Prelude schien mir fair, den Alfa fand ich persönlich recht teuer (aber das mag auch daran liegen, daß mir der Motor zu klein ist.) Mehrere Ro80 wurden angeboten, darunter auch ein rostzerfressenes, nicht fahrbereites Wrack für über 4000,-.
Messepreise, ein spannendes Thema.

Fast interessanter waren aber die Fahrzeuge auf dem Besucherparkplatz. Das ein oder andere fände ich auch recht reizvoll, insbesondere die drei grünen Autos dürften keine Probleme mit den Rampenwinkeln meiner Garage haben. Ob die anderen Abmessungen nicht zum Problem würden müßte man nachmessen, ich befürchte aber Enttäuschendes. Gegen einen Cx wäre auch wenig einzuwenden. (Es scheint zwischen Citroen- und Saabfahrern sowieso eine gewisse Schnittmenge zu geben, man beachte den Beifahrersitz des Cx.)

Verkauft wurde das Auto an jenem Wochenende nicht, wie der geneigte Leser sicher seit meinem obigen Gejammer über das falsche Publikum erwartet hat. (Solvente Interessenten dürfen mich gerne kontaktieren.)
Vor der Rückfahrt besuchte ich mit M. und seinem neuen Landstraßenspielzeug noch das Museum Autovision. Das aber ist einen eigenen Beitrag wert.

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Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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