Wie man umweltfreundliche Kraftstoffe abwürgt, Teil II: LPG.

Jetzt wird’s politisch, meine Herrn.

Der Finanzminister plant offenbar, entgegen den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages die Steuervergünstigungen für Autogas (LPG) 2018 auslaufen zu lassen.
(Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autogas-bund-will-steuerprivileg-streichen-a-1131903.html#js-article-comments-box-pager )

Da hat man ein ganz drängendes Problem mit Stickoxid- und Partikelemissionen und mit Fahrzeugen, die die bei ihrer Genehmigung geltenden Vorschriften in der Realität nicht einhalten, und den CO2-Ausstoß reduzieren will man ja sowieso.
Und es gibt eine Technik, die die Vereinbarkeit des wirtschaftlichen Betriebes eines Kraftfahrzeuges und Umwelt- und Menschenschutz ermöglicht. (Ich schreibe Menschenschutz, denn die Schadstoffemissionen und der gräusliche Lärm eines Diesel schaden ja nicht nur einer abstrakten Umwelt, sondern unmittelbar den Menschen, die ihnen ausgesetzt sind.)

Aus gutem Grund gibt es also eine Steuervergünstigung für Flüssiggas. Die sollte nach Koalitionsvertrag mindestens bis Ende 2021 verlängert werden, was auch die Investitionsentscheidung nicht weniger Käufer beinflußt haben dürfte.
Das interessiert Schäuble aber nicht. Trotz übersprudelnder Steuereinnahmen und Haushaltsüberschuß soll der Steuervorteil für LPG ab 2018 entfallen, weil die Gegenfinanzierung nicht gesichert sei. Komisch, daß Schäuble dann nicht zuerst die steuerliche Begünstigung des Dieselkraftstoffs angeht. Da wäre zum einen noch viel mehr Geld zu holen, und zum anderen gäbe es eine Lenkungswirkung zugunsten saubererer Antriebe.
Ordnungspolitisch konsequent wäre die Abschaffung aller Steuerbegünstigungen und eine einheitliche Besteuerung entweder nach Energie- oder Kohlenstoffgehalt und eine konsequente Durchsetzung der Vorgaben zu Schadstoffemissionen bei Neuzulassungen. Wenn man aber mit der Begründung einer umweltpolitischen Lenkungswirkung unterschiedliche Energieträger unterschiedlich besteuern will, dann erscheint wenig nachvollziehbar, die Begünstigung eines der saubersten Kraftstoffe zu beenden, die des dreckigsten aber fortzuschreiben.
Es zeichnet sich hier aber eine gewisse politische Konstanz ab. Wer erinnert sich noch an E85?

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Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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2 Antworten zu Wie man umweltfreundliche Kraftstoffe abwürgt, Teil II: LPG.

  1. DerEast schreibt:

    Naja, was soll man von Schäuble denn anderes erwarten? Der hat schon immer den „kleinen Mann“ und die sog. „Mittelschicht“ augeplündert und die Hochfinanz verschont. Vielleicht wird er ja im Herbst aus dem Amt und der Regierung gewählt, dann werden auch die Karten für LPG neu gemischt…

  2. andre.kunter@arcor.de schreibt:

    Was soll man sagen: Rationalität bei politischen Entscheidungen wäre entscheidend. Leider gibt es nichts Irrationaleres als Politiker. Und ich beziehe mich jetzt nicht auf den sog. Lobbyismus. Vergesst bitte, was Ihr darüber zu wissen glaubt.
    Ich bekenne: 2009 habe ich bewusst einen Saab mit E85-Motor erworben, weil ich das Konzept für sinnvoll hielt. Dass es technisch effizientere Wege zum Klimaschutz gibt, ist mir bekannt (bin bekennender ÖPNV-Nutzer und liebe meine beiden Saabs trotzdem). Daher bin ich natürlich „persönlich betroffen“. Trotzdem könnte ich k…en, wenn ich tagtäglich erlebe, wie politische Entscheidungen zulassen objektiv sinnvoller Alternativen aufgrund von persönlicher Betroffenheit gefällt werden. Habe fertig mit großen Teilen dieser Gesellschaft.

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