Turboseize testet Kosmetik: Soft 99 Fusso & Fukupika

Das blognamensgebende Auto ist ja bekannt für seinen dem Wartungs- diametral entgegenstehendem Pflegezustand. Es war ja gerade dieser besondere „Grad an Abgerocktheit“, der dem Wagen zu seinem filmischen Debut verhalf.

Allerdings beschränkt sich der hiesige Fuhrpark nicht nur auf abgerockte 600.000km-Ranzbimmeln. Die anderen Autos sollen und dürfen durchaus gepflegt aussehen. Die Phase, dem Wagen wöchentlich eine mehrstündige Wellnessbehandlung zu spendieren und dabei auch die Luftauslässe mit Wattestäbchen zu reinigen habe ich zwar schon seit geraumer Zeit hinter mir, ein gepflegtes Auto hat aber dennoch nichts von seinem Reiz verloren.
Echte Männer geben übrigens ähnliche Summen für Kosmetika aus wie ihre besseren Hälften – nur nicht für sich…

Im konkreten Fall ging es um den Schwedenvectra, der sich trotz seiner im Detail absurden und dem Neupreis des Wagens keinesfalls angemessenen Materialschäbigkeit aufgrund seines konzeptionellen Genies und seiner Qualitäten als entspannter Reisewagen in kürzester Zeit mein Wohlwollen erfahren hat. Andererseits ist der Autor dieser Zeilen bekennend faul. Ihm waren auch die stundenlangen Hartwachsorgien, die er mit zweien seiner Altmercedes gefeiert hatte, noch in allzu frischer und nicht gerade angenehmer Erinnerung, wobei ihn freilich der Anblick am Lack abperlender Wassertropfen immer noch zu großer Verzückung hinzureißen vermag.

Moderne Wachse und Versiegelungen seien deutlich einfacher zu verarbeiten, versuchte der resident detailer des Blogs, der im Übrigen auch nicht geringen Anteil daran hatte, das Leder Veronicas in einem (ver)kaufsentscheidend guten Zustand und es geradezu obszön weich zu erhalten, die Bedenken zu zerstreuen. Seine Vorschläge träfen allerdings die empfindliche Seele des Autos schwer: sein Portemonnaie.
Das mußte auch einfacher und billiger gehen.

Wie ich auf dieses japanische Werbefilmchen mit russischen voice-overs gestoßen bin ist mir nicht mehr erinnerlich. Es mag auch auf den ersten Blick befremdlich erscheinen, daß eine Werbung, die sich an erwachsene Männer (Volljährigkeit nachgewiesen durch Erwerb einer Fahrerlaubnis) richtet, sich in Dramaturgie, Optik und Gesamtkonzept an Kindersendungen des 80er-Jahre-Fernsehens anlehnt. Vermutlich gibt es aber einen Grund dafür: es wirkt. Den versprochenen 12 Monaten Standzeit stand ich zwar weiterhin leicht skeptisch gegenüber, aber eine gewisse Grundsympathie der Marke gegenüber hatte sich eingestellt. (Männer seien grundsätzlich leicht zu manipulieren – behaupten jedenfalls die Damen in meinem Umfeld. Ich sehe keine Anhaltspunkte, daß diese Unterstellung zuträfe.)

Markus Weiß von Glossworks, der schon oben erwähnte resident detailer, riet vom Produkt ab. Es schütze zwar und sei auch leidlich standfest, aber zickig zu verarbeiten. Egal, meine Neugier war stärker.

Die Dose „Wachs“ erwarb ich nebst einigen Mikrofasertüchern bei den Autolackaffen, die nicht nur einen webshop und einen einen Youtubekanal betreiben, sondern auch die Möglichkeit boten, den Kram als Selbstabholer gleich mitzunehmen. Das war besonders praktisch, denn vom Ruderverein aus ist es nur ein Katzensprung bis zum Lackaffenhauptquartier. (Meine übrigen Pflegeprodukte pflege ich meistens bei Soleo zu erwerben, deren Shop ich hier auch gleich bewerben möchte.)

[BILD]

Zum Auffrischen nach Wäschen (die allerdings bis jetzt ausfallen sollten) besorgte ich außerdem noch den angeblich passenden quick detailer:

Im nachhinein habe ich erfahren, daß Fukupika, obwohl teilweise so beworben, nicht der auf das Fusso abgestimmte quick detailer ist – Fukupika ist ein herkömmliches Sprühwachs. Schadet nicht, ist halt nur nicht optimal. Auf Teflonbasis, wie das Fusso selbst, ist das Fusso Coat Speed & Barrier Hand Spray, das in Europa leider nicht allzu einfach verfügbar ist.

Verarbeitung:

Fusso sieht zwar aus wie ein klassisches Wachs und wird auch so verarbeitet, ist aber keines – es wird eine Teflonschicht auf den Lack aufgetragen. Beim Öffnen der Dose sticht ein abartiger Lösungsmittelgeruch in die Nase. Vorsorglich empfehle ich eine Verarbeitung nur in gut belüfteten Räumen oder im Freien. Auch Handschuhe könnten keine dumme Idee sein.

Dreieinhalb Stunden später, davon zweieinhalb fürs Autowaschen und Kneten, dann folgendes Ergebnis:

Aus eigener Erfahrung erlaube ich mir drei Hinweise.
Erstens: Fusso ist äußerst dünn aufzutragen. Wenn man sich fragt, ob die Menge wohl ausreiche ist es schon zuviel. Zu dick aufgetragen neigt es zum Schlieren und ist nur schwer wieder abzunehmen. Richtig aufgetragen trocknet es zügig an und läßt sich dann ohne Kraftaufwand durch einfaches Drüberwischen mit einem Mikrofasertuch wieder abnehmen. Zurück bleibt eine extrem glatte, flutschige Oberfläche.
Zweitens: man nehme sich die Zeit und klebe unlackierte Plastikteile ab. Fusso hinterläßt sonst darauf sehr markante weiße Spuren. Die bekommt man zwar mit Kunsttoffpfleger kaschiert, nach der nächsten Wäsche sind sie aber wieder da.
Drittens: man liest im Netz gelegentlich von Wölkchen- und Schlierenbildung die sich nur durch Entfernen der Versiegelung und eine Politur des Lackes entfernen ließen. Das scheint besonders dunkle und Uni-Lacke und vor allem die für dunkle Lacke beworbene Variante des Produkts zu betreffen. Auf dem silbermetallic des 9-5 hatte ich dahingehend keinerlei Probleme. Als wir später auch einen weiß-uni lackierten Hochdach-T5 beschichteten zeigten sich auf dem lackierten Plastik des Hochdachs dagegen leichte Schlieren (der Lack der Karosserie war völlig unproblematisch).


Test(zwischen)ergebnis:

Die Fusso-Versiegelung des 9-5 erfolgte am 11. August. Mittlerweile sind genau 8 Monate, ein Winter und über 15.000km vorübergegangen. Bei der ersten (!) Autowäsche nach dieser Zeit ergab sich folgendes Bild: eine Kruste aus Salz und Dreck. Der Lack rundum stumpf, lediglich an einer Türoberkante war noch ein Hauch eines Abperleffektes zu sehen. auf allen großen Flächen dagegen: Fehlanzeige.

8 Monate, 15.000km und einen Winter seit der letzten Wäsche hat sich eine fiese Kurste aus Salz und Dreck auf dem Wagen abgelegt.

Lediglich auf vereinzelten kleinen Stellen noch Beading. Alle größeren Flächen stumpf.

Die Dreckskruste ließ sich leider nicht einfach mit dem Hochruckreiniger herunterspülen, wie erhofft. Es war, je nach Verschmutzungsgrad, etwas bis einige mechanische Nachhilfe erforderlich. Beim abschließenden Klarspülen zeigte sich dann jedoch, daß die Versiegelung offensichtlich doch noch vorhanden war:

Im (verwackelten und künstlerisch wenig anspruchsvollen, einhändig telephongefilmten) Bewegtbild sieht das Abperl- und Ablaufverhalten dann so aus:

(Die Putzfimmelbessenen unter den Lesern seien darauf hingewiesen, daß es sich um eine Katzenwäsche unter Zeitdruck handelte und der Autor keinen Anspruch auf Sauberkeit des Fahrzeuges erhebt.)

Ob eine Fusso-Beschichtung wirklich 12 Monate durchhält oder ob das Werbeversprechen allzu optimistisch gegeben wurde ist weiterhin offen, das Zwischenergebnis nach 8 Monaten fällt aber schonmal nicht schlecht aus. Beading und Sheeting sind zwar bei weitem nicht mehr so beeindruckend wie direkt nach dem Auftragen, geschützt sollte der Lack jedoch allemal noch sein. Leider kamen mit der Wäsche auch die eigentlich entfernt geglaubten weißen Spuren auf den unlackierten Schutzleisten zurück…

Fazit:
Kann man durchaus machen. Vorsicht bei Uni-Lacken auf Plastikuntergrund, unlackierte Kunststoffteile bitte abkleben.
Der geringe Preis, die hohe Ergiebigkeit und die anständige Standzeit machen Fusso für Geizkragen attraktiv.

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Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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3 Antworten zu Turboseize testet Kosmetik: Soft 99 Fusso & Fukupika

  1. azorenleser schreibt:

    Hast Du schon mal das Swizöl Wachs (für SAAB bekommt man da „Viking“ angeboten) ausprobiert um ggf. einen Vergleich zu haben? Ich habe mir für über 10Jahren mal eine Dose davon inkl. entspr. Lackreiniger geleistet (letztes Jahr leer) und dann damit eine Behandlung im Sommer durchgeführt. Das hielt dann eigentlich immer ganz gut vom einem zum nächsten mal, trotz nur Waschanlage „zwischendurch“. Die Behandlung dauert allerdings schon mal einen halben bis ganzen Tag, bis man um einen SAAB 9000 rum ist 😉

    • turboseize schreibt:

      Nein, Swizöl habe ich noch nicht selber verwendet. Einer meiner ehemaligen Tiefgaragennachbarn (von dem ich übrigens den Klimawandler erwarb) schwor darauf.
      Generell sind Carnaubawachse in Sachen Glanz unübertroffen, aber sie sind leider nicht so standfest wie die meisten Versiegelungen.
      Für ein garagiertes Schätzchen würde ich zum klassiscen Wachs greifen, für eine laternengeparkte Alltagsbimmel zu einer Versiegelung. Sei es Fusso wie jetzt beim 9-5, oder doch was anderes. „Mein“ Aufbereiter schwört bspw auf AutoFinesse, aber auch vom Sonax Netshield liest man viel Gutes.

  2. Pingback: Der schwedische Simulant. Drama in drei Aufzügen. Vorrede. | Schneewittchensaab

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