Die Touristenhölle

Touristen sind, der gelernte Berliner wird es wissen, Kreaturen aus innersten Kreis der Hölle. Zumindest diejenigen mit Rollkoffern. Im Spannungsfeld aus „Reisen bildet“ und „No more Rollkoffer!“ bewegt sich der durchaus bildungsbürgerlich geprägte halbberliner Verfasser sowohl im Erwerbsalltag (Bureau in der Nähe der Oberbaumbrücke), als auch in seiner Freizeit. So gibt er selber gerne der Versuchung nach, die heimischen Gefilde zu verlassen und neue Ufer zu entdecken (bzw. sich dort gerne alte Steine anzuschauen).

Die Ostertage verbrachte der Verfasser, wie schon in einem der letzten Beiträge angedeutet, am Gardasee. Die Idee zu dieser Reise an ihn herangetragen hatte seine Lieblingsfahranfängerin. Einwände hatte der Verfasser keine – wie denn auch? Italien ist nicht erst seit der Reise eines Dichterfürsten, sondern spätestens seit spätantiken Söldnerhorden Sehnsuchts- und Lieblingsort eines jeden Teutonen. Dem Deutschen ist es einfach nicht möglich, Italien nicht zu mögen.

Aus der Person der Antragsstellerin ergab sich auch leider zwingend das zu nutzende Verkehrsmittel: der Vectra V6. Eine Fahrt nach Italien umfaßt eine Alpenquerung, und nichts ist dafür ungeeigneter als die Kombination von McPherson-Vorder- und Verbundlenkerhinterachse. Aber es war ihre Idee, ihre Reise, und außerdem soll sie eh Auto- und Kurvenfahren lernen. Das Vorhaben produzierte einige schweißnasse Hände, verlief aber ansonsten ohne weitere berichtenswerte Vorkommnisse.

Castelletto di Brenzone empfing uns mit wolkenverhangenem Himmel und Nieselregen, erwies sich sich aber auch damit als ausgesprochen nett und gastfreundlich. Gleiches galt auch für die Trattoria da Pedro, wo wir einkehrten.

Am nächsten Morgen riß der Himmel auf und gab den Blick auf das gegenüberliegende Ufer frei.

Wie auf dem Bild des Schwedenvectra ersichtlich gastierten wir im Hotel Rosmarì. Kleine und einfache Zimmer, der Frühstückssaal erinnert an eine Jugendherberge, aber das Frühstück ist umfangreich und reichhaltig und vermag selbst einen gefräßigen Kraftsportler vorübergehend zu sättigen. Die Lage direkt am See und das ausgesprochen herzliche und hilfreiche Personal lassen die Unterkunft in angenehmer Erinnerung verbleiben (die zurückhaltende Preispolitik trägt ebenfalls dazu bei.)

Um das geistige nicht zu kurz kommen zu lassen begaben wir uns im Anschluß in die Touristenhölle von Sirmione. Und ich dachte, F-Hain sei schlimm…

Es sei aber zugegeben, daß erstens die Scaligerburg wirklich hübsch und zweitens das Eis im ersten Haus am Platz hervorragend ist.

Nach erfolgter Stärkung begaben wir uns zu Fuß zu den Grotten des Catull. Dabei handelt es sich um die Stütz- und Grundmauern einer nicht gerade kleinen römischen Villa. Bei Ihrer „Entdeckung“ durch mitteleuropäische Reisende waren die Ruinenreste von allerlei pflanzlichem Material überwuchert, so daß unter den gemeuerten Bögen tatsächlich der Eindruck einer Höhle entstehen konnte.
Der Name ist auch dahingehend irreführend, daß der römische Star der erotischen Literatur zwar Sirmione besungen und in der Gegend auch ein Landhaus hatte, die nach ihm benannte Villa jedoch selbst seine Finanzen gesprengt hätte und überdies erst nach seinem Tode erbaut wurde (es fanden sich jedoch auch Spuren eines noch älteren Anwesens).

Nach einem romantischen Abend am See erfolgte am nächsten Morgen die Rückreise, die wieder unter dem Motto „Kurvenfahren lernen für Anfänger“ stand und deshalb eine Alpenquerung abseits der Autobahn vorsah. Leider entdeckte meine Lieblingsfahranfängerin dabei das Outlet am Brennerpass…

Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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Eine Antwort zu Die Touristenhölle

  1. coffeenewstom schreibt:

    Schöne Bilder! Da bekommt man Lust auf’s Reisen…

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