Die Luft ist raus

Morgens bei Sonnenaufgang zum Dienst geflogen im Rahmen der absurden brandenburgischen Tempolimits gemächlich geglitten, keine Auffälligkeiten.
Gute elf Stunden später, bei der technischen Durchsicht (macht der gute Kraftfahrer bekanntlich vor, während und nach der Fahrt) vor Antritt des Heimweges fiel dann auf, daß der rechte Vorderreifen merkbar Luft verloren hatte. Richtig platt war er noch nicht, aber daß der Luftdruck nicht mehr stimmen konnte war offensichtlich.
Rad runter, Notrad drauf. (Bei 900 und 9000 steht noch in der Bedienungsanleitung, das Notrad nie auf der Vorderachse zu montieren, beim 9-5 entfällt dieser Passus. Stumpf wie ich bin…)

Es herrschte noch ein Restluftdruck von knapp 1 bar, nach kurzer Suche war auch der Grund für den Druckverlust klar.

Hemmagjord Dubbdäck.

Spikes dürften die Traktion der Semperit auf winterlicher Straße zwar deutlich verbessern*, sind aber in Deutschland leider nicht zulässig. Außerdem ergaben sich bei diesem Prototypen noch leichte Probleme in der Nutzerfreundlichkeit…

Noträder nerven übrigens. Kein Notrad zu haben wäre allerdings noch unangenehmer gewesen. Noch unangehmer und langwieriger als mit maximal 80km/h über die Landstraßen zurück gen Hauptwrack zu zuckeln (auf der zweispurigen Autobahn mit Lkw-Überholverbot hätte ich wohl den ein oder anderen osteuropäischen Sattelzug im Kofferraum gehabt; daß ein Auto mit großstädtischem Kennzeichen auf Landstraßen im Weg rumsteht scheint dagegen sozial akzeptiert zu sein) wäre wohl der Fußmarsch gewesen.

Morgen früh geht es mit dem Pneu zu meinem Reifenhöker am anderen Spreeufer – und dann schauen wie mal, ob man den Reifen flicken kann oder ob die Schraube doch zu nah an der Flanke ist.

*Der Vorbesitzer war von den Speed Grip 2 sehr angetan. Mittlerweile ist mir auch klar, warum: der wohnt in der wärmsten Ecke Deutschlands. An sich fährt sich der Speed Grip 2 sehr harmonisch, er lenkt – für einen Winterreifen – äußerst präzise ein, bietet ein knackiges Handling bar jeder Schwammigkeit und bietet trocken wie Naß mehr Grip als ich jemals gebraucht habe. Selbst auf sehr flott gefahrenen Autobahnkleeblättern oder kurvigen Landstraßen sehr vertrauenerweckend. Das Aquaplaningverhalten ist auch recht manierlich, selbst mit nur 4-5mm Profil habe ich den Reifen auch bei heftigem Starkregen bei Richtgeschwindigkeit nie zum Aufschwimmen bekommen.
Der Reifen hat nur einen einzigen Nachteil: Schnee mag er gar nicht. Sowohl Traktion wie Seitenführung entsprechen dann nicht meinen Ansprüchen.
Fazit: Das ist in der Tat ein verdammt guter Reifen, vor Allem angesichts seines Preis/Leistungsverhältnisses. Vielleicht sollte Semperit ihn jedoch besser als Ganzjahresreifen denn als Winterreifen bewerben.

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Turboseize testet Kosmetik: Soft 99 Fusso & Fukupika

Das blognamensgebende Auto ist ja bekannt für seinen dem Wartungs- diametral entgegenstehendem Pflegezustand. Es war ja gerade dieser besondere „Grad an Abgerocktheit“, der dem Wagen zu seinem filmischen Debut verhalf.

Allerdings beschränkt sich der hiesige Fuhrpark nicht nur auf abgerockte 600.000km-Ranzbimmeln. Die anderen Autos sollen und dürfen durchaus gepflegt aussehen. Die Phase, dem Wagen wöchentlich eine mehrstündige Wellnessbehandlung zu spendieren und dabei auch die Luftauslässe mit Wattestäbchen zu reinigen habe ich zwar schon seit geraumer Zeit hinter mir, ein gepflegtes Auto hat aber dennoch nichts von seinem Reiz verloren.
Echte Männer geben übrigens ähnliche Summen für Kosmetika aus wie ihre besseren Hälften – nur nicht für sich…

Im konkreten Fall ging es um den Schwedenvectra, der sich trotz seiner im Detail absurden und dem Neupreis des Wagens keinesfalls angemessenen Materialschäbigkeit aufgrund seines konzeptionellen Genies und seiner Qualitäten als entspannter Reisewagen in kürzester Zeit mein Wohlwollen erfahren hat. Andererseits ist der Autor dieser Zeilen bekennend faul. Ihm waren auch die stundenlangen Hartwachsorgien, die er mit zweien seiner Altmercedes gefeiert hatte, noch in allzu frischer und nicht gerade angenehmer Erinnerung, wobei ihn freilich der Anblick am Lack abperlender Wassertropfen immer noch zu großer Verzückung hinzureißen vermag.

Moderne Wachse und Versiegelungen seien deutlich einfacher zu verarbeiten, versuchte der resident detailer des Blogs, der im Übrigen auch nicht geringen Anteil daran hatte, das Leder Veronicas in einem (ver)kaufsentscheidend guten Zustand und es geradezu obszön weich zu erhalten, die Bedenken zu zerstreuen. Seine Vorschläge träfen allerdings die empfindliche Seele des Autos schwer: sein Portemonnaie.
Das mußte auch einfacher und billiger gehen.

Wie ich auf dieses japanische Werbefilmchen mit russischen voice-overs gestoßen bin ist mir nicht mehr erinnerlich. Es mag auch auf den ersten Blick befremdlich erscheinen, daß eine Werbung, die sich an erwachsene Männer (Volljährigkeit nachgewiesen durch Erwerb einer Fahrerlaubnis) richtet, sich in Dramaturgie, Optik und Gesamtkonzept an Kindersendungen des 80er-Jahre-Fernsehens anlehnt. Vermutlich gibt es aber einen Grund dafür: es wirkt. Den versprochenen 12 Monaten Standzeit stand ich zwar weiterhin leicht skeptisch gegenüber, aber eine gewisse Grundsympathie der Marke gegenüber hatte sich eingestellt. (Männer seien grundsätzlich leicht zu manipulieren – behaupten jedenfalls die Damen in meinem Umfeld. Ich sehe keine Anhaltspunkte, daß diese Unterstellung zuträfe.)

Markus Weiß von Glossworks, der schon oben erwähnte resident detailer, riet vom Produkt ab. Es schütze zwar und sei auch leidlich standfest, aber zickig zu verarbeiten. Egal, meine Neugier war stärker.

Die Dose „Wachs“ erwarb ich nebst einigen Mikrofasertüchern bei den Autolackaffen, die nicht nur einen webshop und einen einen Youtubekanal betreiben, sondern auch die Möglichkeit boten, den Kram als Selbstabholer gleich mitzunehmen. Das war besonders praktisch, denn vom Ruderverein aus ist es nur ein Katzensprung bis zum Lackaffenhauptquartier. (Meine übrigen Pflegeprodukte pflege ich meistens bei Soleo zu erwerben, deren Shop ich hier auch gleich bewerben möchte.)

[BILD]

Zum Auffrischen nach Wäschen (die allerdings bis jetzt ausfallen sollten) besorgte ich außerdem noch den angeblich passenden quick detailer:

Im nachhinein habe ich erfahren, daß Fukupika, obwohl teilweise so beworben, nicht der auf das Fusso abgestimmte quick detailer ist – Fukupika ist ein herkömmliches Sprühwachs. Schadet nicht, ist halt nur nicht optimal. Auf Teflonbasis, wie das Fusso selbst, ist das Fusso Coat Speed & Barrier Hand Spray, das in Europa leider nicht allzu einfach verfügbar ist.

Verarbeitung:

Fusso sieht zwar aus wie ein klassisches Wachs und wird auch so verarbeitet, ist aber keines – es wird eine Teflonschicht auf den Lack aufgetragen. Beim Öffnen der Dose sticht ein abartiger Lösungsmittelgeruch in die Nase. Vorsorglich empfehle ich eine Verarbeitung nur in gut belüfteten Räumen oder im Freien. Auch Handschuhe könnten keine dumme Idee sein.

Dreieinhalb Stunden später, davon zweieinhalb fürs Autowaschen und Kneten, dann folgendes Ergebnis:

Aus eigener Erfahrung erlaube ich mir drei Hinweise.
Erstens: Fusso ist äußerst dünn aufzutragen. Wenn man sich fragt, ob die Menge wohl ausreiche ist es schon zuviel. Zu dick aufgetragen neigt es zum Schlieren und ist nur schwer wieder abzunehmen. Richtig aufgetragen trocknet es zügig an und läßt sich dann ohne Kraftaufwand durch einfaches Drüberwischen mit einem Mikrofasertuch wieder abnehmen. Zurück bleibt eine extrem glatte, flutschige Oberfläche.
Zweitens: man nehme sich die Zeit und klebe unlackierte Plastikteile ab. Fusso hinterläßt sonst darauf sehr markante weiße Spuren. Die bekommt man zwar mit Kunsttoffpfleger kaschiert, nach der nächsten Wäsche sind sie aber wieder da.
Drittens: man liest im Netz gelegentlich von Wölkchen- und Schlierenbildung die sich nur durch Entfernen der Versiegelung und eine Politur des Lackes entfernen ließen. Das scheint besonders dunkle und Uni-Lacke und vor allem die für dunkle Lacke beworbene Variante des Produkts zu betreffen. Auf dem silbermetallic des 9-5 hatte ich dahingehend keinerlei Probleme. Als wir später auch einen weiß-uni lackierten Hochdach-T5 beschichteten zeigten sich auf dem lackierten Plastik des Hochdachs dagegen leichte Schlieren (der Lack der Karosserie war völlig unproblematisch).


Test(zwischen)ergebnis:

Die Fusso-Versiegelung des 9-5 erfolgte am 11. August. Mittlerweile sind genau 8 Monate, ein Winter und über 15.000km vorübergegangen. Bei der ersten (!) Autowäsche nach dieser Zeit ergab sich folgendes Bild: eine Kruste aus Salz und Dreck. Der Lack rundum stumpf, lediglich an einer Türoberkante war noch ein Hauch eines Abperleffektes zu sehen. auf allen großen Flächen dagegen: Fehlanzeige.

8 Monate, 15.000km und einen Winter seit der letzten Wäsche hat sich eine fiese Kurste aus Salz und Dreck auf dem Wagen abgelegt.

Lediglich auf vereinzelten kleinen Stellen noch Beading. Alle größeren Flächen stumpf.

Die Dreckskruste ließ sich leider nicht einfach mit dem Hochruckreiniger herunterspülen, wie erhofft. Es war, je nach Verschmutzungsgrad, etwas bis einige mechanische Nachhilfe erforderlich. Beim abschließenden Klarspülen zeigte sich dann jedoch, daß die Versiegelung offensichtlich doch noch vorhanden war:

Im (verwackelten und künstlerisch wenig anspruchsvollen, einhändig telephongefilmten) Bewegtbild sieht das Abperl- und Ablaufverhalten dann so aus:

(Die Putzfimmelbessenen unter den Lesern seien darauf hingewiesen, daß es sich um eine Katzenwäsche unter Zeitdruck handelte und der Autor keinen Anspruch auf Sauberkeit des Fahrzeuges erhebt.)

Ob eine Fusso-Beschichtung wirklich 12 Monate durchhält oder ob das Werbeversprechen allzu optimistisch gegeben wurde ist weiterhin offen, das Zwischenergebnis nach 8 Monaten fällt aber schonmal nicht schlecht aus. Beading und Sheeting sind zwar bei weitem nicht mehr so beeindruckend wie direkt nach dem Auftragen, geschützt sollte der Lack jedoch allemal noch sein. Leider kamen mit der Wäsche auch die eigentlich entfernt geglaubten weißen Spuren auf den unlackierten Schutzleisten zurück…

Fazit:
Kann man durchaus machen. Vorsicht bei Uni-Lacken auf Plastikuntergrund, unlackierte Kunststoffteile bitte abkleben.
Der geringe Preis, die hohe Ergiebigkeit und die anständige Standzeit machen Fusso für Geizkragen attraktiv.

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Museum Autovision

Als ich letztes Jahr die Veterama besuchte machte ich mit meinem Gastgeber (der mir später ein Auto verkaufen sollte) auch einen Abstecher zum Museum Autovision nach Altlußheim.

Dem Anlaß angemessene Fahrzeugwahl.

Das Museum ist symmetrisch aufgebaut, beiderseits des Eingangs große, nach Schwerpunkten geordnete Hallen, links Wankel und Bugatti, rechts Motorräder. Im Kellergeschoß finden sich Ausstellungen zu mehr oder weniger erfolgreichen Innovationen und vermeintlichen bis tatsächlichen Zukunftstechnologien. Das Obergeschoß vermittelt anhand von Schautafeln, Modellen und Experimenten technische und physikalische Grundlagen und richtet sich besonders an Heranwachsende.

Wir ignorierten die Motorräder und begannen unseren Rundgang in der Wankelhalle, schließlich waren wir mit einem RX-8 angereist. (Dieses weithin unterschätzte Auto hat seinen eigenen Artikel verdient, der in Kürze folgt.)

Sein Debüt hatte der Wankelmotor bei NSU. Wankel Spider und Ro 80 dürfen nicht fehlen, letzterer auch als Schnittmodell.

Weiter geht es mit Citroen: ein ungeheuer seltener M35 und eine GS Birotor.

Bevor wir uns den unvermeidlichen Mazda widmen eine kurze Exkursion zu einigen weniger bekannten Verwendungen: Motorsegler, Bootsmotoren und Torpedoantriebe (von letzterem fehlt mir leider ein brauchbares Bild).

Und dann: Mazda. Manche kennt man, andere kaum. Der Pickup ist extrem selten und war auch mir bis dato vollkommen unbekannt.
Persönlich am meisten reizen würde mich jedoch der Eunos Cosmo, noch vor dem FD-7… Ein Blick in den Innenraum erklärt, warum. Der aufgeladene Dreischeibenwankel schadet aber auch nicht.

Im Keller finden sich links die gestrigen Zukunftstechniken, rechts dagegen eine wilde Sammlung, deren Schwerpunkt mir nicht immer klar wurde. Unter anderem standen sich Kettenkrad und K70 gegenüber. Beide gibt es nicht mehr allzuoft, vielleicht ist das ja das verbindende Element. Oder eben der Name NSU…

Deutlich spannender fand ich die andere Kellerseite. Erste Elektroautoversuche, Hybride, ein Toyota Prius und der geniale Honda Insight, der bei der Folgeversion leider zur Unkenntlichkeit verwässert wurde, bis hin zum Wasserstoff-V12 – die Zukunft von Gestern ist vollständig versammelt.

Unseren Rundgang schließen wir mit der Bugatti-Halle hinter den Wankeln. Auch ein American LaFrance hat sich hierher verirrt, der ist nur groß und imposant, genauso wie sein 14,5 Liter großes Simplex-Triebwerk.
Zu den Bugattis in unterschiedlichsten Erhaltungszuständen, von geleckt bis patiniert, muß man dagegen kein Wort verlieren. Wer vor einem solchen Motor steht und nicht der unterkühlten Schönheit dieses absolut klaren Entwurfes verfällt, dem spreche ich jegliches ästhetisches Urteilsvermögen ab.

In einigen Teilbereichen hätte der Sammlung eine klarere Schwerpunktsetzung gut getan, aber schon alleine der Bugatti-, Wankel- und Alternativantriebsabteilungen wegen lohnt sich die Anreise. Die Eintrittspreise sind mit 6€ recht fair.
Der Besuch sei dem technikinteressierten Leser folglich sehr empfohlen.

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Wie man umweltfreundliche Kraftstoffe abwürgt, Teil II: LPG.

Jetzt wird’s politisch, meine Herrn.

Der Finanzminister plant offenbar, entgegen den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages die Steuervergünstigungen für Autogas (LPG) 2018 auslaufen zu lassen.
(Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autogas-bund-will-steuerprivileg-streichen-a-1131903.html#js-article-comments-box-pager )

Da hat man ein ganz drängendes Problem mit Stickoxid- und Partikelemissionen und mit Fahrzeugen, die die bei ihrer Genehmigung geltenden Vorschriften in der Realität nicht einhalten, und den CO2-Ausstoß reduzieren will man ja sowieso.
Und es gibt eine Technik, die die Vereinbarkeit des wirtschaftlichen Betriebes eines Kraftfahrzeuges und Umwelt- und Menschenschutz ermöglicht. (Ich schreibe Menschenschutz, denn die Schadstoffemissionen und der gräusliche Lärm eines Diesel schaden ja nicht nur einer abstrakten Umwelt, sondern unmittelbar den Menschen, die ihnen ausgesetzt sind.)

Aus gutem Grund gibt es also eine Steuervergünstigung für Flüssiggas. Die sollte nach Koalitionsvertrag mindestens bis Ende 2021 verlängert werden, was auch die Investitionsentscheidung nicht weniger Käufer beinflußt haben dürfte.
Das interessiert Schäuble aber nicht. Trotz übersprudelnder Steuereinnahmen und Haushaltsüberschuß soll der Steuervorteil für LPG ab 2018 entfallen, weil die Gegenfinanzierung nicht gesichert sei. Komisch, daß Schäuble dann nicht zuerst die steuerliche Begünstigung des Dieselkraftstoffs angeht. Da wäre zum einen noch viel mehr Geld zu holen, und zum anderen gäbe es eine Lenkungswirkung zugunsten saubererer Antriebe.
Ordnungspolitisch konsequent wäre die Abschaffung aller Steuerbegünstigungen und eine einheitliche Besteuerung entweder nach Energie- oder Kohlenstoffgehalt und eine konsequente Durchsetzung der Vorgaben zu Schadstoffemissionen bei Neuzulassungen. Wenn man aber mit der Begründung einer umweltpolitischen Lenkungswirkung unterschiedliche Energieträger unterschiedlich besteuern will, dann erscheint wenig nachvollziehbar, die Begünstigung eines der saubersten Kraftstoffe zu beenden, die des dreckigsten aber fortzuschreiben.
Es zeichnet sich hier aber eine gewisse politische Konstanz ab. Wer erinnert sich noch an E85?

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Vintage futures

Nein, es geht nicht um antike Papiere mit bestenfalls nostalgischem Wert, die man sich zu Dekorationszwecken an die Wand hängt. (Soll ja Leute geben, die sowas machen. Dabei gäbe es ja auch Saabkalender, die zum an-der-Wand-hängen besser geeignet scheinen.)
Nein, hier geht es tatsächlich um Terminkontrakte. Von Warentermingeschäften wird dem unerfahrenen Kleinanleger zurecht gerne abgeraten, schließlich können die Verluste den Einsatz weit übersteigen. Der außerbörsliche Handel ohne Clearingstelle bringt noch ein bisweilen erhebliches Kontrahentenrisiko hinzu. Wirklich nichts für Otto Normalverbrauchers Altersvorsorge. Aber wir wären hier nicht auf dem Turboseize-Blog, mangelte es hier an Erfahrung oder Entschlußkraft. Wer einen 9-5 fährt, der darf sich wahrlich risikotolerant nennen.

Ich habe also neulich ein Auto ungesehen gekauft (ohne eine Verwendung oder gar Platz dafür zu haben), und dann binnen eines Tages weiterverkauft – ebenfalls, ohne daß der Käufer oder ich den Wagen je gesehen hätten. Geliefert wurde am Folgetag. Ein echtes Warentermingeschäft. Vintage car futures, sozusagen.

Letztes Jahr fragte mich ein auch den Bloglesern geläufiger Bekannter, ob ich Interesse an einem Volvo 744 hätte. Grundsätzlich ja, schließlich handelt es sich beim 7er Volvo um eine Designikone, insbesondere als Vorfacelift mit den Legosteinrückleuchten, den Elektrogeräten von Dieter Rams im Rang durchaus vergleichbar.

Jan Wilsgaards große/grobe Linie kann man nicht besser machen. (Er selbst konnte es auch nicht. Der 9er Volvo wirkt zu plump.) Auch und vor Allem als Sedan. Der 740 war nämlich, anders als andere Autos, zuerst als Kombi, genauer gesagt als Shooting Brake gedacht; die Limousine war erst der zweite Gedanke. Das Management traute dem Kundengeschmack nicht und wollte auf die konservative Stufenheckkarosserie nicht verzichten. Die steile Heckscheibe des Shooting Brake einfach zur Rückbank vorzuziehen (und damit ein Kline-Fogleman-Tragflächenprofil zu bauen) hätten sich außer dem Team um Wilsgard wohl nur wenige getraut. Damit schufen sie, die sie eigentlich ein Vollheck bauen wollten, die Inkarnation und den Archetypus des Three-Box-Designs, das den Fahrzeugbau seit Erfindung der Knautschzone für fast ein halbes Jahrhundert geprägt hatte. Vergleichbar mutig waren wohl höchstens noch Fleischer/Dietel, als sie beim Wartburg die horrenden Spaltmaße zur Designlogik erhoben. Aber wir schweifen ab.

Das Funktionelle ist oft das Schöne. Man folgt den Gesetzen der Natur und macht die Dinge nicht komplizierter, als sie wirklich sind. Funktionelle und vernünftige Lösungen sind oft die attraktivsten.
– Jan Wilsgaard

Nein, eigentlich hatte ich überhaupt keine Verwendung für den Wagen noch Lust, mir einen weiteren Klotz ans Bein zu binden (ich erinnere daran, daß auch das Plüschtier weiterhin Ressourcen bindet und gerne gehen dürfte, fände sich ein angemessener Käufer). Die Sache geriet also in Vergessenheit. Bis ich eines Montags eine sms mit sinngemäß folgendem Inhalt erhielt: „Was ist eigentlich mit dem Volvo? Morgen muß er weg…“ Zwei Photos. Saugdiesel, Automatik, Erstbesitz, kein TÜV, Rost unbekannten Ausmaßes, Instrumente zicken, hängender Dachhimmel – das waren alle Informationen, die ich hatte. Es stand auch ein Preis im Raum, der weiteres Nachdenken unterband.
Also hatte ich plötzlich einen Volvo. Auf dem Papier, beziehungsweise rein telephonisch. Zwei Telephonate und einen Facebook-Post später war ich ihn wieder los. Auf dem Papier, beziehungsweise rein telephonisch. Zur Übergabe am Donnerstag war ich dann trotzdem anwesend – ein bißchen neugierig ist man ja doch.

Das Auto war dann doch besser als erwartet und alle Beteiligten mit dem Geschäft recht zufrieden. Bis auf mich. Denn meine Liste von Autos, die man man gehabt haben muß, ist jetzt um einen Eintrag reicher. Ich brauche auch einen 7er Volvo.

Disclaimer:
Der Verfasser hält u.A. Anteile an Royal Dutch Shell (ISIN GB00B03MLX29).

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Das dritte Leben

Wie lange währt ein Autoleben?

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Photo: René Rollin

Wenn man die BMW-Bank fragt, 150.000km. Der durchschnittliche Autofahrer bekommt spätestens bei 200.000km kalte Füße. Aber wir sprechen ja von Saabs.
Schneewittchens erstes Leben dauerte knapp über 300.000km. 285.000 davon verbrachte sie beim erstkaufenden Zahnarzt, der sie vorbildlich pflegen ließ; dann kam sie in die Hände eines zwar netten Menschen, der jedoch nicht wirklich schrauben konnte beziehungsweise andere Menschen kannte, die das auch nicht immer konnten.
Am Ende ihres ersten Lebens war das arme Auto dann zwar immer noch substantiell ganz brauchbar, aber technisch ziemlich verpfriemelt und auch äußerlich recht abgerockt.
Genau das  – der „gerade richtige Grad an Abgerocktheit“ sollte ihm auch später zu filmischem Ruhm verhelfen. Aber zuerst mußte ich es kaufen. Das war recht simpel: Anzeige gesehen, 200km hingefahren, Auto gekauft, ein paar Tage später Auto abgeholt und zu HFT gestellt. Die lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen eskalierten dann etwas.
Die von einem unbekannten Pfuscher verpfriemelte neue Kopfdichtung (wie schafft man es, eine Zylinderkopfschraube mit Torx-Kopf rundzudrehen?) mußte geradegebogen werden, es war ein falsches Drosselklappengehäuse verbaut und der Kat war auch zu klein. Das Fahrwerk war ausgelatscht und hatte neben neuer Buchsen und Stoßdämpfer auch weiteren Optimierungsbedarf – die frühen Turbos für den US-Markt wurden ohne Stabilisatoren ausgeliefert. Das macht das Geradeausfahren bei 55 Meilen recht komfortabel, aber für Mitteleuropa ist das nichts. Und dann, nach ich das grob das Dreifache des Kaufpreises bei HFT gelassen hatte, konnte ich endlich fahren.

Und fahren konnte das Auto. Kaum ein Kilometer ohne Grinsen im Gesicht. (Der Saab-smile schaffte es schließlich erst zu Top Gear und dann in die Werbung.) Daß alle Nasen lang irgend etwas kaputt ging (auf dem Blog zur Genüge nachzulesen) und das Auto dank gepökelter Straßen trotz regelmäßigem Flutens mit FluidFilm ungefähr dreiunddrölfzig mal geschweißt werden mußte: alles vergeben. Motorschaden aufgrund eines defekten Steuergerätes, Getriebeschaden mit elfmonatiger Wartezeit mangels Ersatzteilen, Lichtmaschine, Servolenkung, Bremssättel, usw, usf. Egal. Autos mit Charakter dürfen das.

Und dann stand Ende letzte Jahres die nächste Zäsur an. 300.000km vor mir, 300.000km mit mir. Nach 600.000km beginnt jetzt also das dritte Autoleben.

Eigentlich hatte ich ja etwas eindrucksvolleres geplant: eine Ladedruckanzeige am rechten Anschlag, und dann ein Durchbeschleunigen bis zur V-max, um die Nadel aus dem Kilometerzähler herauszubringen. Aber die V-max wurde schon durch die Winterreifen unterbunden, und das Durchbeschleunigen und Kilometerzähler freihalten durch die Baustelle mit Tempolimit, an das wir uns so grob halten mußten. (Ja, in Bayern gibt es Autobahnbaustellen mit 100er-Limit. Das ist nicht so wie wie in Neufünfland, wo man drei Warnbaken untätig an die Leitplanke stellt und dann eine Phantombaustelle mit 60er-Limit und Blitzmöglichkeit ausruft…).

Was wird das nächste Leben, was werden die nächsten 300.000km bringen? Auf jeden Fall eine zarte Damenhand. Meine bessere Hälfte hat neulich ihre Fahrerlaubnis erworben (und zuvor fleißig mit dem 900 geübt).
Damit hat sie jetzt das (fast) perfekte Auto zum Fahrenlernen. Sie hat aber auch schon, Ironie der Geschichte, ein Auge auf den 9-5 geworfen…

idiotenhugel

Auf dem Idiotenhügel.

Wir werden sehen. Anders als das zum Verkauf stehende Plüschtier hat sich Schneewittchen ein dauerndes Bleiberecht erarbeitet ermobbt. Sie hat letzten Herbst nämlich ihren eigenen Verkauf – im Paket mit dem Plüschtier, und zu einem äußerst akzeptablen Kurs – recht intrigant durchkreuzt. Aber diese Geschichte erzähle ich Euch ein anderes Mal.

Heute aber danke ich allen Beteiligten: HFT, der den Wagen die meiste Zeit in seiner Obhut und den größten Anteil an seiner Langlebigkeit hatte, Termi, der als erster Löcher flickte, Frank Trubendorffer, der sich seit dem Umzug nach München um ihn kümmert und gerade die planmäßige 600.00er-Inspektion durchführt, und nicht zu vergessen Michael Pinkowski, der mir bei mittlerweile schon vier Autos ungezählte Mal kurzfristig aus der Patsche geholfen hat… Danke Euch allen. Ohne Euch wäre das Saabfahren deutlich stressiger.

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Ein Saab(-fahrer) als Markenbotschafter?

Am Set.

Am Set.

Dem geneigten Leser werden Benjamin und sein Schwedenvectra bekannt sein. Zum einen aufgrund Ihrer gelegentlichen Gastauftritte als Photomodelle hier auf diesem Blog, zum anderen durch das Saabblog.

B. ist seit geraumer Zeit Mitglied des „Testteams“ eines Kosmetikherstellers – dieser bewirft ihn regelmäßig mit kostenlosen Pflegemittelchen, und ihm Gegenzug gibt B. Feedback. Und so ganz nebenbei wurde sein mindermotorisierter Vectra A Saab 9-3 zum wohl verhätschelsten Exemplar eines Automodells, das noch viel zu oft von Endnutzern ge-, ver- und aufgebraucht wird.

Photokalender sind immer gern genommene Werbemittel. Saabs sind photogen. Ich war also nicht wirklich überrascht, als mich vor gut einem Monat das obige Bild erreichte. Nur ein bißchen neidisch. Vor Allem auf das Licht… aber das ist ein anderes Thema.

B. und sein Vectra Saab stehen also zur Wahl des Nigrin-Markenbotschafters 2017.

Daumen drücken!

Daumen drücken!

Der geneigte Leser sei hiermit aufgerufen, sich an der Abstimmung zu beteiligen. Meine Wahlempfehlung dürfte auch eindeutig sein. Zum einen gönne ich Benjamin sein Schminkköfferchen, zum anderen bietet sich hier die Möglichkeit, zur Sichtbarkeit unserer Autos/Marke beizutragen. Wenn schon keine neuen Autos auf die Straße kommen, dann müssen die vorhandenen eben medial präsenter werden. Zur Not auch in der Werbung.

Die Abstimmung läuft noch bis zum 19. Dezember. Neben der Genugtuung, für einen freundlichen Ingenieur als Pappaufsteller gestimmt zu haben bekommt man auf Wunsch (gegen Preisgabe sensibler Daten, wir sind ja im Netz) die Chance, selber ein Pflegemittelset zu gewinnen. Auf geht’s!

http://www.test-offensive.de/nigrin/markenbotschafter/markenbotschafter-2017/kandidaten2017/?no_cache=1

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