Fuhrparkumbau: … 9-5 kommt.

Wie kauft man ein Auto? Man wird sich über seine Bedürfnisse klar und trifft eine Vorauswahl. Dann recherchiert man zu den Fahrzeugen dieser Vorauswahl, studiert Kaufberatungen und Foren, erkennt Fehlkonstruktionen und Mängelkönige und schließt diese konsequent aus. Im nächsten Schritt sichtet man Anzeigen aus dem verbleibenden Pool, fährt zu einigen Fahrzeugbesichtigungen; prüft und fährt gründlich Probe, verhandelt ein bischen und kauft dann das vom Erhaltungszustand her beste Auto, das man auftreiben kann.

So die Theorie.

Im echten Leben erwähnt ein guter Bekannter an einem Grillabend, daß er mit seiner neuer Stelle einen Dienstwagen samt Tankkarte bekäme und er deshalb sein Alltagsauto bald nicht mehr bräuche. Und bevor er das irgendwo inseriere… mit LPG sei der Wagen doch für mich als Langstreckenkilometerfresser sicher interessant? Und dann nennt er einen Preis, der angesichts der Kosten einer Gasanlagennachrüstung (in diesem Falle: Vialle LPI) einen deutlich negativen Kaufpreis für das Auto alleine ergibt.
Im echten Leben rechnet man dann kurz nach und kommt zu dem Ergebnis, daß selbst bei halbierter Jahresfahrleistung das Nichtkaufen dieses Autos jährlich gute 1500 Doppelmark teurer sei als ein Kauf. Obwohl man doch eigentlich den Fuhrpark reduzieren und sich die Fixkosten eines dritten Autos sparen wollte. Obwohl der 9-5 ein GM-Saab ist. Obwohl der 9-5 (völlig zu Recht!) die Goldene Möhre 2003 der Autobild erhielt.

Das Auto hatte auf diesem Blog schon einmal einen Cameo-Auftritt.

Immerhin: An diesem Wagen funktioniert alles; die Klimaanlage friert tief, das Fahrwerk ist fest (woran Matthias auch nicht unschuldig ist, der da schon einige Teile ersetzt hat), die Ölwanne war schon schonmal ab und das Ölsieb ist frei, es sind keine Fehler im Speicher hinterlegt und der der Vorvorbesitzer hatte keine Kosten und Mühen gescheut und bei der Umrüstung einen Biopower-Kopf verbauen lassen (angeblich hätten die andere Ventilsitzringe und die natriumgekühlten Auslaßventile der frühen aeros). Außerdem handelt es sich um das Modelljahr 2003, was leider schon das Facelift-Gesicht trägt, aber schon die besseren Sitze hat und vor Allem eine geänderte Abgasanlage mit zwei Katalysatoren, die das Problem des die Ölwanne grillenden Kats der ersten Serie abmildert. 2003 hat zum Glück noch einige nette Ausstattungsdetails, die ab 2004 dann weggespart wurden, wie zum Beispiel die Türausstiegsbeleuchtung. Mit nur 150PS des Zweiliter-Softturbos ist der Wagen deutlich mindermotorisiert, aber das ist Fluch und Segen zugleich: bei 0,4 bar Ladedruck sollte die bei den stärkeren 9-5 sehr reale Gefahr zerbröselnder Origamikolben vernachlässigbar sein.
Etwas Oberflächenrost an einer Tür und an einem Radlauf, aber nichts, was unbeherrschbar wäre, dazu ein paar Schlüsselkratzer. Matthias bombardiert mich zwar noch mit Bildern vom Unterboden, aber die Entscheidung hatte ich längst gefällt. Es erfolgt ein fernmündlicher Handsschlag, Matthias meldet den Wagen ab und schickt mir die Papiere zu. Am Morgen nach dem Gewaltmarsch Berlin-Prag-Wien-München zur Abholung von Schneewittchens neuen Türen (Bericht folgt) bin ich auf der Zulassungsstelle und kann mir das einzig angemessene Kennzeichen sichern.
Am folgenden Montag gondele ich dann gemütlich in die Pfalz. Auf dem Weg überschreitet Schneewittchen die 590.000km. (Es folgt also bald die nächste Ölanalyse).

Nicht mehr weit zur 600.

Nicht mehr weit zur 600.

Ich treffe etwas vor Matthias an der Halle ein und schaue mir das erste Mal meinen Kauf etwas genauer an.

Autos unter 300.000km sind mir grundsätzlich suspekt. Kann es diesmal gutgehen? Der nächste Tag wird diese Frage schon beantworten. Die Vorahnung wird den geneigten Leser nicht trügen…

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Über turboseize

Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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8 Antworten zu Fuhrparkumbau: … 9-5 kommt.

  1. DerEast schreibt:

    Gratulation zum 9-5! Komforttechnisch ist der zum 9000 doch eine ganze Liga höher angesiedelt und der Wellnessfaktor entsprechend (noch) höher. Hat der Wagen ein Automatikgetriebe? Das wäre dann die Krönung des völlig entspannten Kilometerfressens. Wenn die Gasanlage richtig eingestellt ist und regelmäßig gewartet wird, steht der genialen Kombination aus „Fahren&Sparen“ nichts mehr entgegen. Fehlt noch ein Name? SilverSurfer?? Mit etwas Nachhilfe beim Steuergerät surft der 9-5 dann auch mit 200PS auf der Drehmomentwelle….

    • turboseize schreibt:

      Ist ein Automat – in dem Baujahr schon das Aisin-Fünfgang mit flappy pedals. Schaltet schön (meistens) und ist sehr lang übersetzt. Lediglich im manuellen Modus kommen die Gänge manchmal etwas hart.

      Zu meiner Überraschung reicht mir die Leistung erstmal völlig aus. Der Motor hat dank des Spielzeugladers kein wahrnehmbares Turboloch und fährt sich „untenrum“ fast wie ein deutlich haubraumstärkerer Sauger. Das Auto ist ungefähr so agil wie der 9000 v6 – also nicht wirklich, aber irgendwie wirkt das ganze sehr souverän.

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