Motorölanalyse: Mobil1 0w-40 „new life“ im Saab 900 turbo16 (B202L)

Bei der letzten Inspektion hatte ich eine Ölprobe genommen. Eine Woche später lag das Ergebnis vor (wobei dabei der Firma Oelcheck kein Vorwurf gemacht werden kann, der Großteil der Zeit geht auf das Konto von UPS. Den Report hatte ich am auf die Anlieferung folgenden Arbeitstag in der mailbox).
Die Kurzfassung: dem Motor geht’s gut, und das Öl war so gut wie neu.

Mobil1 0w-40 nach grob 9000km im B202L.

Mobil1 0w-40 nach grob 9000km im B202L.

Die gegenüber dem Datenblatt leicht veränderte Viskosität mag auf die Meßungenauigkeit zurückgehen oder auf den Kraftstoffeintrag (über den ich mich etwas gewundert habe, schließlich fahre ich fast ausschließlich Langstrecken – andererseits hatte ich über die erste Hälfte des Intervall Probleme mit der LH-jet, die irgendwas eingespritzt hat, aber nicht die Menge, sie sie sollte, und wahrscheinlich bleiben dank des Ölkühlers die Temperaturen bei meinem Hauptreisetempo noch so moderat, daß nicht alles ausdampfen konnte). Der Viskositätsindex ist gegenüber dem Frischöl unverändert, und auch das Schmutztragevermögen und die Basenzahl machen Freude. Dem Öl selber scheint das Intervall also nichts ausgemacht zu haben. Gut, das Mobil1 ist teuer genug, daß man auch eine gewisse Leistung erwarten könnte, und man darf auch nicht vergessen, daß, wenn wir die Einspritzanlagenproblematik der ersten Hälfte außer acht lassen, 9000 Langstreckenkilometer in drei Monaten eigentlich Idealbedingungen darstellen. Ein Kurzstreckeneinsatz oder aber dauerhaft wildes rumgebolze würden das Öl sicher mehr fordern.

Verschleiß:
Eisen 11mg/kg, Aluminium und Blei je 1mg/kg, Kupfer 7mg/kg. Die anderen Verschleißmetalle unter der Nachweisgrenze. Das ist nach 8667km erstmal ein sehr gutes Ergebnis. Kupfer sticht zunächst ins Auge – das könnte theoretisch auf Probleme mit den Pleuel- oder Kurbelwellenlagern hindeuten oder die Lagerung der Turboladerwelle. (Bei Verschleiß an den Lagerschalen würde man aber auch Blei erwarten.) Es könnte aber nur aus dem Kupferdichtring der Ölablaßschraube ausgewaschen worden sein, vor Allem, da die Ölprobe nicht aus dem „Mittelstrahl“ entnommen wurde, sondern direkt zu Beginn des Ablassens.
Unterstellt man, daß die bei Schwermetallanalysen zu erwartende Meßungenauigkeiten von 30% auch hier zutreffen werden erscheint auch der Kupferwert nicht wirklich bedrohlich.

Damit – mit den zu erwartenden, aber nicht aufgeführten Toleranzen – ist auch schon der Bogen zur Kritik geschlagen. Das Labor selbst ist zwar nach ISO 17025 akkredidiert, auf dem Analyseergebnis findet sich jedoch kein Hinweis darauf und der Report erfüllt auch nicht die Anforderungen. Auch dem Laien auffällig ist das Auftauchen einer „null“ in den Meßwerten, wo man eigentlich ein „nicht nachweisbar“ mit Angabe der Nachweisgrenze erwarten würde, und genauso fehlen Angaben zur Meßungenauigkeit. Das Kleingedruckte der Homepage klärt darüber auf, daß Analyse und Report nach ISO 17025 aufpreispflichtig seien. Meinen kleinen Bruder, der als gerente técnico (CTO) eines lateinamerikanischen Umweltlabors selbst für die Akkreditierung und die Einhaltung aller Standards verantwortlich war veranlaßte das zu der sarkastischen Bemerkung, so könne sich das Labor die Werte auch einfach auswürfeln oder sich anhand einer Datenbank etwas plausibel erscheinendes ausdenken. Eigentlich dürfe ich auch den Begleitschein nicht ausfüllen, sondern müßte die Probe „blind“ verschicken, ohne Angaben zum Öl oder zum Einsatzgebiet, so daß man sich im Labor dann wirklich Mühe geben müsse…
Zu beurteilen, ob das jetzt mehr über die Firma Oelcheck oder lateinamerikanisches Geschäftsgebaren aussagt überlasse ich dem geneigten Leser.
Zu Gunsten der Firma oelcheck nehme ich bis auf weiteres an, daß die Zahlenwerte (unter Berücksichtung der Meßungenauigkeit) dennoch valide sind und die simplifizierende Darstellung ganz bewußt als zielgruppengerechte Ansprache für den Schmiermaxen gedacht ist, einen mehr oder weniger grobschlächtigen „Mann der Praxis“, den man nicht unnötig verwirren möchte. Mir persönlich reicht das aus.

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Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos.
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